Phantombegriff, Zauberwort
Sinnlichkeit auf der Bühne und intellektuell-übersinnliche Diskurse schließen einander nicht aus. Zu Zeiten von «Regietheater» und «Postdramatik» geht es um Grundfragen zum Komplex Werk/ Werktreue. Haben die Begriffe noch Sinn? «Was ist Werk, was Treue?», lautet der Untertitel eines Buchs, dem ein Symposium von 2010 zugrunde liegt, Teil des Zürcher Universitätslehrgangs «Executive Master in Arts Administration». Dessen Leiter, der Österreicher Gerhard Brunner, Jurist, ehemals Musikkritiker in Wien, später Intendant der Oper Graz, fragt nach «Treue und Verrat».
Es geht um «eine neue und kritische Bewertung aller Schichten des Gesamtkunstwerks Oper» – ein Projekt, das angesichts der Liste referierender Fachleute Erkenntnisgewinn verspricht.
Wie viel Freiheit der Darbietung und wie viel Fantasie der Interpretation vertragen, erfordern die Kunstwerke des Musiktheaters? Brunner hat für die drei Abschnitte des Buchs, das er zusammen mit Sarah Zalfen herausgegeben hat, die Instanzen Wissenschaft, Kunst und Öffentlichkeit in Stellung gebracht. Und bietet auch Proben aus den jeweils nachfolgenden Podiumsdebatten. Wohin die Reise geht, deutet Brunner, der nicht zum konservativen Lager ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 26
von Wolfgang Schreiber
Das Wagner- und Verdi-Jahr 2013 kommt auf uns zu. Unaufhaltsam. Wenn man die Pläne der Opernhäuser studiert, die in diesen Tagen veröffentlicht werden, könnte daraus fast eine Drohung werden. Denn klar ist ja: Solche Jubiläen machen Programmplanern die Arbeit leicht – und dem Publikum das Leben schwer. Es wird eben das gespielt, was man immer und ohnehin spielt,...
Künstlerschicksale prägen das Bild der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. «Man kennt nur ein Leben, sein eigenes.» Strindbergs Bekenntnis zur ‹Ich-Dramatik› setzt sich aber nicht nur im Drama durch, sondern findet Nachahmer auch unter den Komponisten – man denke an Schrekers «Der ferne Klang» oder Pfitzners «Palestrina». Zwei selten gespielte Künstleropern...
Giovanni Pacini? Ein weithin versunkener Name aus der Sphäre der Belcanto-Oper. 1796 in Catania zur Welt gekommen, hinterließ der Komponist bei seinem Tod angeblich über hundert Opern. Schon in Jugendjahren in Mailand debütierend, fand er sein durchweg in Italien verbrachtes Leben bedeutend genug, um eine Autobiografie zu schreiben. Findige Opernjäger können hier...
