Geheime Bezüge
Künstlerschicksale prägen das Bild der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. «Man kennt nur ein Leben, sein eigenes.» Strindbergs Bekenntnis zur ‹Ich-Dramatik› setzt sich aber nicht nur im Drama durch, sondern findet Nachahmer auch unter den Komponisten – man denke an Schrekers «Der ferne Klang» oder Pfitzners «Palestrina».
Zwei selten gespielte Künstleropern mit autobiografischem Hintergrund, Arnold Schönbergs «Die glückliche Hand» (1913) und Leos Janáceks «Osud» (1906), haben Jossi Wieler und Sergio Morabito zu einem Doppelabend gekoppelt, der scheinbar nur die Unvereinbarkeit der beiden Stücke betont, aber doch geheime Bezüge schafft.
Den Anfang macht Schönbergs Einakter, mit zwanzig Minuten Spieldauer ein Wunder an musikalischer Verdichtung. Im Zentrum des von Strindberg inspirierten Geschlechterkampfs steht der einsame Künstler. Erfolg, eine glückliche Hand also, hat er nur in der Arbeit, während ihm die Liebe versagt bleibt. Ihm zur Seite steht ein Flüsterchor warnender und tröstender Stimmen. Textlich bleibt das Ganze banal und gewinnt seinen beschwörenden Ausdruck allein durch die Musik, deren expressive Gewalt Schönberg mit unerhörter Meisterschaft durchs Nadelöhr der ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
In seiner vorletzten, 1897 in Prag uraufgeführten Oper «Sárka» greift Zdenek Fibich (1850-1900) zu einem Stoff aus der tschechischen Legende, den schon Smetana in seinem sinfonischen Zyklus «Mein Vaterland» gestaltet hatte. Nach dem Tod der sagenhaften Reichsgründerin Libussa übernehmen die Männer unter Führung von Premyslaus die Macht. Als sich die um Vlasta und...
Abschied
Er selbst bezeichnete sich einmal als «Kritiker, Dramaturg, Intendant und Bücherschreiber über Musik und Kunst». 1931 in Budapest in eine jüdische Familie hineingeboren, überlebte Ivan Nagel den Naziterror in einem Budapester Versteck, bevor er 1948 nach Zürich floh. Nach dem Studium in Paris, Heidelberg und Frankfurt am Main, wo er u. a. Philosophie bei...
Im Paris des 19. Jahrhunderts war Daniel-François-Esprit Auber ein Star. Ein Theaterkomponist, der nicht belehren, sondern unterhalten wollte. Ein brillanter Handwerker, der genau wusste, wie man mit Stimmen und Orchester Effekte erzielt. Die klare Satztechnik hatte er sich von Haydn und Mozart, die verführerische Melodik von Rossini abgeschaut. Er war auch ein...
