Blutrünstiger Amazonenkrieg
In seiner vorletzten, 1897 in Prag uraufgeführten Oper «Sárka» greift Zdenek Fibich (1850-1900) zu einem Stoff aus der tschechischen Legende, den schon Smetana in seinem sinfonischen Zyklus «Mein Vaterland» gestaltet hatte. Nach dem Tod der sagenhaften Reichsgründerin Libussa übernehmen die Männer unter Führung von Premyslaus die Macht. Als sich die um Vlasta und Sárka gescharten Frauen wehren, kommt es zum Krieg. Um den Hauptfeind Ctirad zu besiegen, greift Sárka zu einer List.
Sie lässt sich unbewaffnet an eine Eiche binden und täuscht dem Hinzukommenden vor, von Vlasta verstoßen zu sein. Aus Hass aber entsteht Liebe. Sárka und Ctirad geraten in den Rausch einer erotischen Passion, der zu Sárkas Verrat an den Amazonen und schließlich zu deren Untergang führt. Am Ende gibt sich die von Schuldgefühlen zwischen leidenschaftlicher Liebe und Pflicht zerrissene Sárka, der im Wahn die blutverschmierten Frauen als gespenstische Prozession erscheinen, selbst den Tod. Höhepunkt der vor allem von «Walküre», «Tristan und Isolde» und «Parsifal» beeinflussten tragischen Oper des tschechischen Kosmopoliten ist das große Liebesduett im zweiten Akt, in dessen befreiender Ekstase man einen Reflex ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Uwe Schweikert
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Hoch oben, diagonal über der Bühne ein Seil, das anfangs wie eine Neonröhre aussieht. Ganz vorn rechts ragt gerade noch ein Fuß ins Bild. Im Pressematerial zum Karlsruher «Lohengrin» findet sich die Biografie eines französischen Hochseilartisten. Auf der Szene indes keine Spur von ihm. Sollte da...? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Lohengrin – Akrobat...
Zeitgenössische Opern sollten nach ihrer Uraufführung eine zweite Chance erhalten. Von dieser kulturpolitisch sinnvollen Forderung profitieren leider selten die sperrigen Werke (es sei denn, sie genießen den Kultstatus von Helmut Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern»), sondern meist Opern, die an das Repertoire, die Tradition, das klassische Gesangsideal...
