Belcanto aus der ersten Reihe
Giovanni Pacini? Ein weithin versunkener Name aus der Sphäre der Belcanto-Oper. 1796 in Catania zur Welt gekommen, hinterließ der Komponist bei seinem Tod angeblich über hundert Opern. Schon in Jugendjahren in Mailand debütierend, fand er sein durchweg in Italien verbrachtes Leben bedeutend genug, um eine Autobiografie zu schreiben. Findige Opernjäger können hier und da ein paar (apokryphe) Mitschnitt-Zipfel von Pacinis Musik aufspüren. Man kann sich’s jetzt aber auch bequemer machen und nach Gießen fahren.
Im dortigen Stadttheater ist derzeit Pacinis «Maria Tudor» («Maria Regina d’Inghilterra») zu erleben, ein Werk aus seiner mittleren Schaffensperiode, 1843 komponiert. Belcanto aus der ersten Reihe, sozusagen.
In Leopoldo Tarantinis Librettofassung ist das von Victor Hugo stammende Schauspielsujet lupenreine Kolportage. Politisiert wird wenig. Zwei Frauen und zwei Männer im erotischen Clinch. Das sieht so aus, als käme am Ende nichts als Frieden und Doppelhochzeit. Tut es aber nicht. Der schurkische Favorit der Königin wird gegen deren Willen hingerichtet; die Titelheldin, durch diesen Kummer gereift, diszipliniert sich zu metallischer Staatsräson. Das ergibt einen fulminant ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Hans-Klaus Jungheinrich
Bei aller Düsternis, Schwärze und depressiven Kraft hat der Abend auch etwas von einer Etüde. Er wirkt so, als wolle die Oper sich versuchsweise mit dem sogenannten postdramatischen Theater abgleichen. Als würde Andrea Breth, die nicht nur vom Schauspiel kommt, sondern auch Schauspiel unterrichtet, mal ausprobieren, wie viel man rüberholen kann in die andere...
Es sind weder prominente Sängerinnen und Sänger noch prominente Stücke, die derzeit für Furore sorgen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass das kleine Haus in Gießen Giovanni Pacinis «Maria Tudor» nicht nur wiederentdeckt, sondern auch wirklich bewältigt? Und wer kennt schon die Meisterwerke von Auber, die jetzt in Berlin und Paris fast zeitgleich herauskamen? Bei...
ARTE
1./7.5. – 6.00 Uhr
Musik für die Zukunft Venezuelas – El Sistema.
Dokumentation von Paul Smaczny und Maria Stodtmeier.
2./8.5. – 6.00 Uhr
Der Derwisch.
Festival d’Aix-en-Provence 2008. Rezital Moneim Adwan.
2.5. – 15.05 Uhr
Geliebte Clara.
Spielfilm von Helma Sanders-Brahms über Clara Schumann. Mit Martina Gedeck, Pascal Gregory, Malik Zidi, Clara Eichinger, Aline...
