Orchesterwogen in der Puppenstube
Unter Kapellmeistern kursiert das Bonmot, Humperdincks «Hänsel und Gretel» sei die schönste Wagner-Oper. Und wer wäre berufener, dafür den Beweis zu erbringen, als Christian Thielemann, der mit seinem Wiener Dirigat beim Publikum Begeisterung auslöste und bei der Kritik überwiegend Zustimmung fand. Freilich wird man bei seiner Auslegung der Partitur weniger an das Waldweben im «Siegfried» erinnert als an die heroische Wucht der «Götterdämmerung».
Dass diese Musik auch mit Charme und einer leichten Beschwingtheit gespielt werden kann (und eigentlich sollte), ist hier kaum zu spüren.
Die üppige Wagnerei im Orchester steht in deutlichem Kontrast zu der betont naiven Szene. Der Regisseur Adrian Noble und sein Ausstatter Anthony Ward haben alles ausgespart, was an Abgründigem, Beunruhigendem in dem Märchen steckt, und, ausgehend von einem viktorianischen Weihnachts-Tableau, eine heile Kinderwelt geschaffen. Die ist in sich stimmig gestaltet, gleitet aber optisch, vor allem im zweiten Akt, häufig ins Kunstgewerbliche ab, im Spiel der Sänger wiederum ins Putzig-Betuliche. Die komödiantischen und dramatischen Möglichkeiten des Stücks werden im zu harmlosen dritten Akt nicht ausgeschöpft, ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Was wäre italienische Oper ohne die Konservatorien in Neapel? Die einst größte Stadt Italiens zog Begabungen aus allen Provinzen des Südens an. Im 18. Jahrhundert etwa Pergolesi, Porpora, Cimarosa und Spontini, im 19. Mercadante und Bellini. Inzwischen war die Ausbildung nach Pariser Vorbild perfektioniert worden. Fortgeschrittene Kompositionsschüler durften mit...
Verdis «Rigoletto» als Politthriller: Duca, ganz Machtpolitiker heutigen Stils, ist soeben wieder gewählt worden, ein riesiges Plakat hängt noch in seinem Büro. Am liebsten würde er gleich eine Diktatur ausrufen. Rigoletto ist sein Propagandachef. Über der Bühne flimmert die Fernsehshow «Rigoletto’s World», in der er Gegner angreift und lächerlich macht. Der...
Am Ende steuert alles auf den Gesamtkunstwerker zu. Naturgemäß, könnte man bei diesem Autor sagen: Auf dem weiten Feld der Wagner-Rezeption gehört Udo Bermbach zu den aktivsten Analytikern. «Wagneriana / Bayreuthiana» bildet das große Finale seines neuen Buchs. Es versammelt Reden, Programmheftbeiträge und andere Essays aus den Jahren 1999 bis 2016, die meisten...
