Wechselwirkungen
Am Ende steuert alles auf den Gesamtkunstwerker zu. Naturgemäß, könnte man bei diesem Autor sagen: Auf dem weiten Feld der Wagner-Rezeption gehört Udo Bermbach zu den aktivsten Analytikern. «Wagneriana / Bayreuthiana» bildet das große Finale seines neuen Buchs. Es versammelt Reden, Programmheftbeiträge und andere Essays aus den Jahren 1999 bis 2016, die meisten überarbeitet und aktualisiert.
Der Titel «Kultur, Kunst und Politik» mag (zu) umfassend klingen, aber eben das treibt Bermbach um: die Wechselwirkung von Gesellschaft und Werk, das gegenseitige Bedingen, Beeinflussen – oder die Entkoppelung beider Welten.
Bermbach bewegt sich dabei auf verschiedenen Ebenen. Auf einer übergeordneten, umfassenden, die zum Beispiel die Oper ins soziale System einordnet: Da Kunst in den Augen ihrer Rezipienten auch Halt bieten müsse, sei sie der Tendenz zur Konvention ausgesetzt, einem «Musealisierungszwang» – was nicht unbedingt Negatives bedeuten müsse. Konkreter wird Bermbach, wenn er die Abhängigkeit der Inszenierungen von der gesellschaftlichen Realität untersucht, aufgehängt an der Deutung von Wagners «Ring». Patrice Chéreau wird als Musterfall gepriesen, Joachim Herz als «ideologisch ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Markus Thiel
Am Himmel der Salle Favart ist jetzt wieder alles möglich. Und auf den Brettern sowieso. Klar, dass Intendant Olivier Mantei und die Bühnentechnik zur Wiedereröffnung der Opéra Comique die generalüberholte Maschinerie tanzen lassen. Mit fliegenden Sängern, Seilartisten und blütenweiß schwebenden Stoffsegeln. Zwanzig Monate war das 1898 eingeweihte Haus an der Place...
Offenbach? So denkt man unwillkürlich, wenn man sieht, wie sich im Straßburger Haus der Opéra national du Rhin zwei Herren vom Schnürboden in den Raum abseilen, der hier die Erde vorstellt. Der eine trägt Frack, Zylinder und Lackschuhe. Und: Drückt sich das Hinüberblinzeln zu Maître Jacques nicht auch darin aus, dass der bessere Herr in den besten Jahren sich in...
Vor 200 Jahren erregte der Schweizer Musikpublizist und -verleger Hans Georg Nägeli einiges Ärgernis. Hatte er es doch gewagt, den großen Mozart zu kritisieren: Ausgerechnet dem «Götterliebling», dem «Raffael der Musik» attestierte er nämlich «Unreinheit», ja «widerwärtige Styllosigkeit». In einer Zeit, in der man von Mozart noch nicht allzuviel kannte, in ihm...
