Nach wie vor vital

Die Oper Frankfurt spannt mit «Der Diktator», «Schwergewicht» und «Das geheime Königreich» Einakter von Ernst Křenek aus dem Jahr 1928 zusammen

Opernwelt - Logo

Vor 200 Jahren erregte der Schweizer Musikpublizist und -verleger Hans Georg Nägeli einiges Ärgernis. Hatte er es doch gewagt, den großen Mozart zu kritisieren: Ausgerechnet dem «Götterliebling», dem «Raffael der Musik» attestierte er nämlich «Unreinheit», ja «widerwärtige Styllosigkeit». In einer Zeit, in der man von Mozart noch nicht allzuviel kannte, in ihm entweder nur den ewig heiteren Rokoko-«Tändler» oder den «Don Giovanni»-d-moll-Dämoniker sah, war dies natürlich ein Sakrileg.

Dabei hatte Nägeli, obschon kritisch zugespitzt, durchaus Richtiges erkannt: dass Mozarts Größe gerade in der dialektischen Verschlingung heterogener Elemente und Sphären besteht, «absolute» Musik und Oper, Buffa wie Seria, schier osmotisch aufeinander bezogen sind – der «Makel» als Qualität. Vollends haben Geniekult und Kunstreligion des 19. Jahrhunderts dazu beigetragen, die «Großen» zu monumentalisieren: den «Titan» Beethoven, den «fünften Evangelisten» Bach, den «Olympier» Goethe. Solcherart Monolithik hat deren Rezeption nachhaltig beschädigt, folglich die Frage befördert, «welcher» Bach oder Beethoven eigentlich gemeint sei.

Der Wahn einer verbindlichen Stil-(R)einheit des Gesamtwerks ist im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Inhomogen

Heike Hoffmann, seit dieser Saison Leiterin der SWR Schwetzinger Festspiele, interpretiert die Dramaturgie des Festivals auf ihre Weise: Altes und Neues sollen nicht nebeneinander stehen, sondern ineinander verschränkt werden. Der Untertitel von «Tre Volti – Drei Blicke auf Liebe und Krieg» von Annette Schlünz, mit deren Uraufführung das diesjährige Programm...

Orchesterwogen in der Puppenstube

Unter Kapellmeistern kursiert das Bonmot, Humperdincks «Hänsel und Gretel» sei die schönste Wagner-Oper. Und wer wäre berufener, dafür den Beweis zu erbringen, als Christian Thielemann, der mit seinem Wiener Dirigat beim Publikum Begeisterung auslöste und bei der Kritik überwiegend Zustimmung fand. Freilich wird man bei seiner Auslegung der Partitur weniger an das...

Der Welt abhanden gekommen

Der Lyriker bleibt am längsten mit dem Musiker geeint», schreibt Friedrich Nietzsche in «Götzen-Dämmerung», auch wenn die Künste sich «allmählich spezialisiert und voneinander abgetrennt» hätten. Mit beiden Kunstgattungen war Nietzsche eng vertraut: Bis etwa zum 30. Lebensjahr komponierte er selbst, auch wenn er wusste, dass er dabei unter der Messlatte der von ihm...