Monströs
Wieder am 22. und 24. Juni in Wuppertal. www.wupptertaler-buehnen.de. Video unter vimeo.com/217482016
Verdis «Rigoletto» als Politthriller: Duca, ganz Machtpolitiker heutigen Stils, ist soeben wieder gewählt worden, ein riesiges Plakat hängt noch in seinem Büro. Am liebsten würde er gleich eine Diktatur ausrufen. Rigoletto ist sein Propagandachef. Über der Bühne flimmert die Fernsehshow «Rigoletto’s World», in der er Gegner angreift und lächerlich macht. Der russische Regisseur Timofej Kuljabin führt erstmals außerhalb seiner Heimat Regie. Er wurde vor zwei Jahren bekannt, als man seine «Tannhäuser»-Inszenierung in Nowosibirsk absetzte und der Intendant zurücktreten musste.
Die Kirche hatte wegen Gotteslästerung geklagt, weil Tannhäuser auf dem Venusberg einen Pornofilm drehte und Jesus mit halbnackten Damen zu sehen war. Auch Kuljabins Wuppertaler Inszenierung hat politischen Biss. Doch er ist alles andere als ein Anhänger des frei assoziierenden Regietheaters. Jeder Eingriff ins Stück ist genau motiviert, Kuljabin entwickelt eine klare, schlüssige Lesart, die nah an den Intentionen des Komponisten bleibt. Verdi ließ seinen «Rigoletto» bekanntlich nur deshalb im fiktiven Staat Mantua spielen, weil ihn die Zensur dazu zwang. Auch er zielte auf seine politische Gegenwart.
Der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Stefan Keim
Seit der Spätantike wird in Trier Theater gespielt. Und das soll wohl auch künftig so bleiben. Die Stadt sucht nach dem turbulenten Interregnum von Karl M. Sibelius eine frische künstlerische Leitung. Die Eskalation, die zum Rauswurf des Österreichers nach einem guten Jahr führte, war freilich hausgemacht, begünstigt durch Fehlleistungen der Kommunal- und...
«Wo das Teleskop zu Ende ist, fängt das Mikroskop an; welches von beiden hat die größere Perspektive?» An dieses Zitat aus Victor Hugos «Les Misérables» mag man bei Mandfred Stoys Buch «Die Wiener Staatsoper 1938-1945» denken. Wie dem auch sei: Stoys mikroskopisch sezierender Blick war überfällig, denn mit den Dämonen der mit diesem Zeitraum verbundenen...
Gleich mit dem ersten Konzert in der neuen Residenz hat Laurence Equilbey klargestellt, wohin es ihr kaum fünf Jahre altes Insula Orchestra zieht: zur Musik der «génération Goethe». Und: zu einer multimedialen Aufführungskultur, die das Repertoire zwischen 1750 und 1850 mit Technik des 21. Jahrhunderts zu vermitteln sucht. Während Stanislas de Barbeyrac zur ersten...
