Ohne Strom
Vielleicht waren die Erwartungen (vor allem unsere) zu hoch geschraubt, wog der Ballast der Rezeptionsgeschichte zu schwer, wirkte der unbedingte Wille, Neues, Anderes, Außerordentliches schaffen zu wollen, wie eine Bremse für die Inspiration. Und vielleicht steckte schon im konzeptuellen Ansatz dieses Abends das hinterhältige Teufelchen.
Traurige Erkenntnis ist jedenfalls, dass diese «Zauberflöte» an der Staatsoper Unter den Linden, die nach einem Vierteljahrhundert aufgeboten wurde, um August Everdings gediegen-poetische Inszenierung abzulösen (wiewohl diese in der laufenden Spielzeit und auch danach noch auf dem Spielplan steht), eine herbe Enttäuschung ist.
Es fängt mit der Musik an. Alondra de la Parra, relativ kurzfristig für den knieverletzten Franz Welser-Möst eingesprungen, ist mit der Aufgabe sichtlich überfordert. Man mag besänftigend konzedieren, dass der jungen mexikanischen Dirigentin, die eigentlich erst im nächsten Jahr ihr Berliner «Zauberflöten»-Debüt geben sollte, nur wenige (End-)Proben zur Verfügung standen, um sich an die Akustik der Lindenoper und an das (für sie neue!) Stück zu gewöhnen. Allein, zu keinem Zeitpunkt lässt sie eine individuelle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Es sei ein Irrtum zu glauben, die entscheidenden Momente eines Lebens müssten von lauter und greller Dramatik sein, unterspült von heftigen inneren Aufwallungen. In Wahrheit sei die Dramatik einer lebensbestimmenden Erfahrung von leiserer, retardierender Art, dem Knall, der Stichflamme und dem Vulkanausbruch entgegengesetzt. Solches formuliert sinngemäß der...
In Verdis Entwicklung nimmt die Vertonung von Shakespeares «Macbeth» eine Schlüsselstellung ein. Mit ihr stellte er 1847 zum ersten Mal die überkommene Form des italienischen Melodramma infrage und versuchte «die Musik mit dem Drama zu verschmelzen». Eine Oper ohne Liebeshandlung mit nur zwei Hauptdarstellern und dem Chor im Zentrum war für die italienische Bühne...
Seit fünf Jahren hatte er nicht mehr vor einem Orchester gestanden, sich in sein Haus am Mondsee im Salzkammergut zurückgezogen. Als er spürte, dass Körper und Geist nicht länger den rigorosen Ansprüchen genügten, die er an sich und andere stellte, trat er aus dem Rampenlicht, das er eigentlich nie gesucht, eher als unvermeidliche Begleiterscheinung des Berufs...
