Dramatisch härter
In Verdis Entwicklung nimmt die Vertonung von Shakespeares «Macbeth» eine Schlüsselstellung ein. Mit ihr stellte er 1847 zum ersten Mal die überkommene Form des italienischen Melodramma infrage und versuchte «die Musik mit dem Drama zu verschmelzen». Eine Oper ohne Liebeshandlung mit nur zwei Hauptdarstellern und dem Chor im Zentrum war für die italienische Bühne eine Herausforderung. 1865 hat Verdi das Werk für Paris radikal überarbeitet. Musikalisch ist die Zweitfassung ein deutlicher Fortschritt. Dennoch lohnt die Begegnung mit der experimentellen Urfassung.
In ihr treten die innovativen Elemente stärker hervor, sie ist stilistisch aus einem Guss, dramatisch prägnanter und härter. Das macht die neue Aufnahme hörbar, die erstmals bei einer Verdi-Oper konsequent die Aufführungsbedingungen der Zeit zu rekonstruieren versucht.
Der italienische Geiger Fabio Biondi und sein Originalklangensemble Europa Galante sind bislang hauptsächlich mit Barockmusik hervorgetreten, haben allerdings mit Bellinis «I Capuleti e i Montecchi» vor drei Jahren schon einmal den Sprung in die Romantik gewagt. Biondi leitet das mit 45 Musikern schlank besetzte Orchester, wie in Italien noch bis in die ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Uwe Schweikert
Herr Katzameier, Sie werden weltweit als Sciarrino-Spezialist geschätzt, an der Berliner Staatsoper haben Sie gerade an zwei Uraufführungen mitgewirkt, bei den Salzburger Osterfestspielen 2019 kommt «Thérèse» heraus, ein Werk von Philipp Maintz, bei dem Sie nicht nur die männliche Hauptrolle singen, sondern zu dem Sie auch das Libretto geschrieben haben. Wann sind...
Der russische Komponist Alexander Wustin, geboren 1943, hat sich den Ruf eines ernsthaften, tiefgründigen Avantgardisten erworben. Sein intensives Erleben der Zeitgeschichte als Raum für das aktuelle Musikschaffen lässt ihn in gewisser Weise zu einem Erben Anton Weberns werden. Vladimir Jurowski, seit 2011 Leiter der Jewgenij-Swetlanow-Symphoniker, ernannte Wustin...
«Celan» (1998/99), «Hölderlin» (2008) und «Benjamin» (2015/16) heißen die drei Musiktheaterwerke, die Peter Ruzicka bisher vorgelegt hat und aus deren jeweiligen Klang- wie Denk-Konstellationen er späterhin auch namensentsprechende «Symphonien» destilliert hat, darunter die Ende März 2018 vom hr-Symphonieorchester unter Leitung des Komponisten uraufgeführte...
