Hinter Milchglas

Ein neues Belcanto-Traumpaar? Olga Peretyatko und Juan Diego Flórez in Laurent Pellys Neuinszenierung von Donizettis «Lucia di Lammermoor» an der Staatsoper Wien, dirigiert von Evelino Pidò

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Es sei ein Irrtum zu glauben, die entscheidenden Momente eines Lebens müssten von lauter und greller Dramatik sein, unterspült von heftigen inneren Aufwallungen. In Wahrheit sei die Dramatik einer lebensbestimmenden Erfahrung von leiserer, retardierender Art, dem Knall, der Stichflamme und dem Vulkanausbruch entgegengesetzt.

Solches formuliert sinngemäß der «Goldschmied der Worte» Amadeu de Prado in Pascal Merciers «Nachtzug nach Lissabon», und es scheint, als hätten Laurent Pelly, Regisseur der Neuproduktion von Donizettis «Lucia di Lammermoor» an der Wiener Staatsoper, und auch Dirigent Evelino Pidò ihrer Titelheldin Olga Peretyatko dies als psychisches Kostüm übergezogen.

Denn diese Lucia zeigt alle Symptome autistischer Erkrankungen, deren Entstehung zunächst ja oft unbemerkt bleibt. Von Anfang an gibt sie sich inwendig verhuscht, verängstigt, mit eckig zuckenden Bewegungen, in einer kalt-nebeligen Winterwelt, wie Chantal Thomas’ Bühnenbild diese zeichenhaft darstellt. Schon seit je scheint das Mädchen sein Leben in die Wolken geworfen zu haben. Lucia träumt sich weg aus der Realität, doch die Träume sind nicht schön, sondern von der Art der Nachtmahre, wie sie uns in den ...

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Opernwelt April 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard Persché

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