Hinter der Fassade
Eine klaustrophobische Atmosphäre liegt über dem engen Hinterhof mit seinen verwaschenen Mauern und verwitterten Fensterläden. Regisseur Urs Häberli verlegt die Handlung von Janáčeks «Jenůfa» in ein beengtes Kleinstadtmilieu. Die Bewohner leben Tür an Tür; nichts von dem, was auf dem Hof vor sich geht, bleibt verborgen, stets ist ein Beobachter präsent, schier übermächtig die soziale Kontrolle. Hier eine Schwangerschaft zu verbergen, wie die traurige Titelheldin es verzweifelt versucht, grenzt ans Unmögliche. Das am Beginn des 19.
Jahrhunderts angesiedelte Bühnenbild von Anna Kirschstein, das mit seinen liebevollen historischen Details auf den ersten Blick ins Pittoreske zu tendieren scheint, erweist sich bei näherem Hinsehen als unentrinnbares Gefängnis.
Durch die Verengung des Raumes, in dem Häberli die Protagonisten aufeinandertreffen lässt, sind die zwischen ihnen bestehenden Konflikte gefährlich zugespitzt. Auch die unheilvollen Seelenlagen, die GMD Uwe Sandner im scharf konturiert spielenden Orchester heraufbeschwört, drohen die kleinbürgerliche Fassade zu sprengen. Angetrieben von der wilden expressiven Kraft, die aus dem Orchestergraben drängt, gewinnt die Bühnenhandlung ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Silvia Adler
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