Modernes Martyrium
Elisabeth Stöppler hat «Dialogues des Carmélites», eine der beklemmendsten Opern der klassischen Moderne, nicht auf den Kopf gestellt wie Dmitri Tcherniakov in seiner umstrittenen, von den Poulenc-Erben inkriminierten Münchner Inszenierung.
Aber auch sie rückt das Stück um das historisch verbürgte Martyrium der 16 Karmelitinnen von Compiègne während der Französischen Revolution weg vom gefühligen Kloster-Realismus und stößt zu seinem Kern, dem zentralen Anliegen Poulencs wie seiner beiden literarischen Kronzeugen Gertrud von le Fort und Georges Bernanos, vor: der Lebensangst der jungen Blanche de la Force, geboren beim Tod der Mutter, in Todesfurcht lebend, die sie aus der gefährdeten Welt von Vater und Bruder in die abgeschiedene Gemeinschaft des Karmel treibt.
Aber auch dort verliert sie ihre Zweifel nicht, wird Zeugin des schweren, keineswegs in religiöser Gefasstheit erlittenen Todes der alten Priorin, des Machtkampfs von deren Nachfolgerin mit der Subpriorin Mère Marie, und begegnet in der scheinbar lebenslustigen Novizin Constance einer gleichfalls traumatisierten, von Todessehnsucht erfüllten Schwester. Nicht zuletzt wird sie dort von den revolutionären Ereignissen ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert
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Das Gedankenspiel hätte ihm gefallen: Nach den Regeln der Quantenmechanik, meinte der Physiker Erwin Schrödinger 1935, könne eine Katze, die man in eine Kammer mit instabilen, sprich: potenziell strahlenden Atomen einschließe, gleichzeitig lebendig und tot sein. Warum? Weil man nicht weiß, wann genau die Kerne zerfallen und ihre radioaktive Energie freisetzen....
Diese Uraufführung versprach eine grausige Geschichtsstunde. Die Story: Eine Prostituierte, Sarah Osborne, wird für den Mord an ihrem Ehemann und den zwei Kindern gehängt, die Leiche sodann öffentlich seziert. Tatsächlich floss in Bob McGraths Inszenierung von David Langs «Anatomy Theater» reichlich Kunstblut. Vor allem aber punktete die Los Angeles Opera im...
