Schauerstück
Diese Uraufführung versprach eine grausige Geschichtsstunde. Die Story: Eine Prostituierte, Sarah Osborne, wird für den Mord an ihrem Ehemann und den zwei Kindern gehängt, die Leiche sodann öffentlich seziert. Tatsächlich floss in Bob McGraths Inszenierung von David Langs «Anatomy Theater» reichlich Kunstblut. Vor allem aber punktete die Los Angeles Opera im «Redcat» Theater (Roy and Edna Disney Theater) mit einem starken Stück, in dem es um zeitlose moralphilosophische Fragen geht.
Das Libretto hat der Komponist gemeinsam mit Mark Dion geschrieben, der auch die Bühne gestaltete.
Die unappetitlichen Begebenheiten kommen als himmelschreiendes Drama daher. Eine grelle Schauerwelt, in der naturgemäß der Henker, mit aggressivem Aplomb von Marc Kudisch gesungen, zunächst im Fokus steht. Den leblosen Körper Sarahs stellt er wie ein Krämer aus, befingert ihn mit obszöner Nonchalance. Ein fieser Baron namens Peel sucht in den Eingeweiden die Quelle alles Bösen. Robert Osborne singt diese Partie mit bestechender Verve, erschafft mit seinen hysterischen Ansprachen ein wahres Ungeheuer. Erkenntnisse der Wissenschaft nutzt er als Waffen in einem Rachefeldzug gegen die menschliche Rasse. Den ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Simon Williams
Für Helmut Krausser, den Librettisten, ist er schlicht «der Mann, der alles wissen wollte»: Anasthasius Kircher (1602-1680). Ein universalgebildeter Jesuit, der aus der Rhön stammte und in Rom unermüdlich nach Wegen suchte, den Dingen auf den Grund zu gehen. Kircher beschäftigte sich mit Mathematik, Medizin, Musik, Astronomie, Biologie und Akustik, er analysierte...
Vielleicht hat die Arie der Rezeption fast geschadet: Die Auskopplung von «Rachel, quand du Seigneur», die Beförderung zu einem der Opernhits des 19. Jahrhunderts, raubte der Figur des Eléazar im allgemeinen Bewusstsein entscheidende Facetten. Ein Verzweifelter? Ein grundlos Ausgestoßener, der am Rand von Fassung und Leben seinen Gott um letzte Hilfe anfleht? Die...
Man muss sie mögen, die Oper unter freiem Himmel. Tut man das aber, findet man sich ab mit wenig bequemen Sitzgelegenheiten, unfreundlichen Temperaturen und plaudernden Nachbarn. Auch mit dem blechernen Klang des Orchesters, das sich über eine verhältnismäßig bescheidene Verstärkeranlage bemerkbar macht, und dem ebenfalls verstärkten Darsteller, der rechts singt,...
