Mensch, Masse und Marionetten

Zimmermanns «Soldaten», Liszt-Paraphrasen und eine Rubens-Hommage bei der RuhrTriennale

Opernwelt - Logo

Ernährungsphysiologisch ist Brat­wurst mit Pommes ja ohnehin eine Katastrophe (obwohl Katas­trophen bekanntlich ganze Volksstämme zusammenschwei­ßen). Aber nach dem letzten «Spiegel»-Interview dürfte sich Jürgen Flimm einmal mehr überlegen, ob er zum Grundnahrungsmittel des Ruhrpotts greift oder nicht unverfänglich zum weltmännischen Lachshäppchen bei der Sponsorenparty der RuhrTriennale.

Im Sommer nämlich hat er den Fehler begangen, die Prominentenklatschbase Benjamin von Stuckrad-Barre in seine Stamm-Imbiss­bude mitzunehmen, den legendären «Profi-Grill» unweit der Jahrhunderthalle in Bochum-Stahlhausen. Und wäh­rend Flimm seinen Gast in den szene­typischen Dunst «aus den Zutaten Toilette, Grill und nasser Regenkleidung» führte, um gastronomische Volksverbundenheit zu demonstrieren, machte sich der ewig junge Benjamin nur lustig über die fünfund­sechzigjährige «Betriebsnudel» Flimm und sein «umfassendes Begeisterungswerk […] als Intendant, Aufreißer, Zuhälter, Skandalanzettler, Motivator».
Flimm und die Wurst. Das ist, wie selbst Stuckrad-Barre ein bisschen neidvoll durchblicken ließ, keine Clownerie à la Helge Schneider, sondern handfestes Marketing für die RuhrTriennale. Will ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Michael Struck-Schloen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Hoiotoho

Dass im Sommer Wagner ganz oben auf der Agenda steht, hat an der Seattle Opera Tradition. Doch in diesem Jahr setzte Speight Jenkins, seit 1983 General Manager des Hauses, Strauss’ «Rosenkavalier» auf den Spielplan – aus finanziellen Gründen. Um die Wagnerianer unter der Stammkundschaft zu besänftigen, initiierte Jenkins den ersten internationalen Wagner Wettbewerb...

Editorial

Die Dramaturgie des Skandals folgt einem (fast) immer gleichen Muster: Da ist zunächst ein casus belli, der Schockwellen öffentlicher Erregung freisetzt; diese münden in einer (meist) prominent besetzten ergebnis­offenen Debatte (gut, dass wir über alles geredet haben); den Abschluss bildet eine Phase der Erschöpfung. Das Interesse erlahmt. Denn auch ein Reizthema...

Vom Hudson River an die Salzach

Totgesagte leben länger: Samuel Barbers oft geschmähte Oper «Vanessa» erscheint ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung nicht nur verstärkt auf Spielplänen, sie ist innerhalb weniger Jahre auch in drei verschiedenen CD-Produktionen herausgekommen. Zur klassischen Met-Aufnahme von Dimitri Mitropoulos gesellten sich letzthin Einspie­lungen aus der Ukraine (Gil...