Vom Hudson River an die Salzach

Ein Mitschnitt der europäischen Erst­aufführung von Barbers «Vanessa» bei den Salzburger Festspielen 1958

Opernwelt - Logo

Totgesagte leben länger: Samuel Barbers oft geschmähte Oper «Vanessa» erscheint ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung nicht nur verstärkt auf Spielplänen, sie ist innerhalb weniger Jahre auch in drei verschiedenen CD-Produktionen herausgekommen. Zur klassischen Met-Aufnahme von Dimitri Mitropoulos gesellten sich letzthin Einspie­lungen aus der Ukraine (Gil Rose) und England (Leonard Slatkin) (siehe OW 4/2005). Jetzt ergänzt das Angebot ein Mitschnitt von «Vanessas» Europa-Debüt bei den Salzburger Festspielen.
Dieser 16. August 1958 war ein besonderer Tag.

Zum ersten Mal hatte eine amerikanische Oper in den Hort europäischer Hochkultur Eingang gefunden. Prompt wurde sie von den meisten Kritikern abqualifiziert: «Kein Kunstwerk, aber ein frappierendes Kunststück», resümierte damals etwa Karl Heinz Ruppel in der «Süddeutschen Zeitung», nachzulesen im Begleitheft der CD. Gemeint war die Interpretation, die Barbers «epigonale Partitur» aufgewertet habe. Unabhängig von der Beurteilung der Komposition besticht dieses musikalische Dokument auch heute noch.
Besetzt waren die zentralen Positionen wie bei der Uraufführung an der Met sieben Monate zuvor: Die eigentlich Maria Callas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2006
Rubrik: CDs, Seite 54
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Produktive Überforderung

Wer in Taipeh bestehen will, muss clever sein, sagt Kuang-Ching Sung, erster Posaunist des Nationalen Symphonie Orchesters von Taiwan (NSO). Offen für alle Wechselfälle des Lebens und vor allem schnell. Wohl wahr. Das Tempo der Millionenstadt am Nordwestrand der Insel, die seit 1949, nach der Flucht der von Maos Volksarmisten geschlagenen Kuomintang, als...

Banalitäten und Genialitäten

Wenn er daherkäme wie Hans Pfitzners Palestrina in der In­szenierung von Nikolaus Lehnhoff 1999, niemand könnte ihm böse sein: der Intendant als resig­nierter Romantiker im öffentlich-kommunalen Musikbetrieb. Zehn Jahre ist Tobias Richter nun in Düsseldorf, und schon die Bedingungen zu seiner Amts­übernahme waren keineswegs dazu angetan, ihn zum Strahlemann der...

Wo Mozart Lehár heißt

Auch der Regen ist der gleiche. Vielleicht liegt es ja da­ran, dass Bad Ischl und Salzburg nur gute fünfzig Kilometer trennen – in der Festspiel-Atmosphäre sind sich die beiden Bilderbuch-Lokalitäten nicht unähnlich. Bloß dass Mozart in der ehemaligen k. u. k. Sommerfrische Lehár heißt und sich dort folgerichtig (fast) alles um Operette dreht. Selbst am...