Editorial
Die Dramaturgie des Skandals folgt einem (fast) immer gleichen Muster: Da ist zunächst ein casus belli, der Schockwellen öffentlicher Erregung freisetzt; diese münden in einer (meist) prominent besetzten ergebnisoffenen Debatte (gut, dass wir über alles geredet haben); den Abschluss bildet eine Phase der Erschöpfung. Das Interesse erlahmt. Denn auch ein Reizthema von gesamtgesellschaftlicher Relevanz kann rasch seinen Reiz verlieren.
Im Fall der Berliner «Idomeneo»-Affäre betrug die Halbwertzeit des Skandalons, sprich: die medial verstärkte Empörung darüber, dass die Inszenierung von Hans Neuenfels an der Deutschen Oper aus Sicherheitsgründen abgesetzt wurde, gerade mal eine Woche. Dann ging man wieder zur Tagesordnung über. Das Mozart-Jahr hatte seinen ultimativen Kick. Die weltweit und lautstark erhobenen Vorwürfe gegen die Intendantin Kirsten Harms, sie habe die Freiheit der Kunst verraten – sie sind schnell verrauscht. Das Kopfschütteln über den Berliner Innensenator Erhart Körting, der nach einem anonymen Anruf die Neuenfels’sche Deutung wegen eines blutigen Mohammed-Hauptes aus der Requisite zunächst als ernstes Sicherheitsrisiko einstufte, um die Leitung des Hauses in ...
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Gewartet hat niemand auf diesen neuen «Tristan». Der Katalog ist voll von erstrangigen Live- und Studio-Aufnahmen aus früheren Tagen, aber auch das aktuelle Angebot (Thielemann bei DG, Pappano bei EMI, Segerstam bei Naxos) dürfte den Bedarf bis auf Weiteres gedeckt haben. Der auf drei Abende verteilten konzertanten Aufführung aus London, die Warner nun drei Jahre...
«Wotans kühne Kinder» lautete der Titel einer Veranstaltung der Bayerischen Staatsoper im Cuvilliéstheater, die ich Ende Juli 2000 moderieren durfte. Die kühnen Kinder waren Martha Mödl, Astrid Varnay und Ingrid Bjoner. An dieses Zusammentreffen musste ich in den vergangenen Monaten oft denken, als ich die Archive der Düsseldorfer Oper und des Theatermuseums nach...
Auch wenn Jacques Offenbach nach 1871 in Paris nicht mehr die zentrale Rolle spielte wie im Zweiten Kaiserreich, so schrieb er bis zu seinem Tod (1880) immerhin noch vierzig Bühnenwerke, von denen einige sehr erfolgreich waren. Freilich hatte er sich dem veränderten Zeitgeschmack anzupassen. Jetzt waren Feerien gefragt, Ausstattung und moderne Bühnentechnik...
