Mal ehrlich: Leben als Lachnummer
Man sagt ja, Kriminelle kehren immer an den Ort ihres Verbrechens zurück. Wie jemand so blöd sein kann, war mir zwar immer schleierhaft. Aber es stimmt. Gilt auch für mich. Das muss ich jetzt einsehen. Offenbar ist mein krimineller Instinkt bloß ein bisschen lahm – ich habe mir 24 Jahre Zeit gelassen, bevor ich wieder in Aix aufschlug.
Als wir 1991 mit Brittens «Midsummer Night’s Dream» rauskamen, war Robert Carsen noch längst nicht berühmt. Er war außerdem ein Lückenbüßer, die Notlösung.
Wir rührten die Inszenierung unter Hochdruck zusammen, mit wenig Zeit, kaum Budget und überhaupt bloß, weil eine Koproduktion ins Wasser gefallen war. Probten in einer heißen, staubigen Turnhalle am Stadtrand, viel zu spät auf der Bühne. Wir waren uns sicher: Das wird ein Flop. Der Rest ist Geschichte. Die Produktion geriet zum Hit und wurde fortan überall herumgereicht.
Ich trieb in nicht weniger als 15 Wiederaufnahmen mein Unwesen. Und zwar immer als Flute, der sich dann in «Pyramus und Thisbe», dem Spiel im Spiel, als Mädel verkleiden muss. Ein kleiner Blasebalgflicker, scheu, doch voller Feuer. Den tollpatschigen Teenager habe ich (in diversen Inszenierungen) gut 140-mal gesungen. Zuletzt an ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Christopher Gillett
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