Naiv im besten Sinne
Vielseitigkeit oder Risikofreude sind auf dem gegenwärtigen Sängermarkt selten zu finden. Intendanten und Besetzungsbüros können sich immer weniger Experimente leisten. Das heißt: Wer gut ist in einer Rolle, wird immer wieder für diese Rolle engagiert. Für die Spielpläne mag das ein Sicherheitsfaktor sein, für die Stimmen bedeutet es eine Gefahr. Denn die menschliche Stimme besteht aus einem komplexen Muskelgeflecht, und Muskeln leben davon, dass sie vielseitig eingesetzt werden. Gleichförmigkeit führt zu Überbeanspruchung – und Verschleiß.
Was klingt wie eine allgemeine Einleitung, hat direkt mit der «CD des Monats» zu tun. Als Michaela Schuster um das Jahr 2000 herum im Stuttgarter «Ring» die Fricka sang und einem größeren Publikum bekannt wurde, da staunte man über das reiche, ungewöhnliche Timbre dieses Mezzosoprans, über seinen mühelosen Umfang und seine natürliche Ausdruckskraft. Es bestand kein Zweifel daran, dass diese Stimme für dramatischere Fächer prädestiniert war. So kam es auch. Michaela Schuster sang schon bald Kundry, Ortrud, Eboli, Klytämnestra und sogar die Amme in «Die Frau ohne Schatten», so ziemlich das Schwerste, was einem Komponisten für dramatischen Mezzo ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 45
von Stephan Mösch
Wie ein Meeresarm liegt er da, der Sankt-Lorenz-Strom, mehr als ein Kilometer sind es von Ufer zu Ufer. Ein erhabener Anblick. Und ein Gegenbild zu den monotonen Wald- und Agrarlandschaften, die der Highway von Montréal durchmisst. Erst auf dem Pont Pierre-Laporte wird uns so richtig bewusst, dass Québec am großen Wasser liegt: schon vor den Toren der Stadt ein...
Elke Heidenreich und ihr Partner, der Komponist Marc-Aurel Floros – sie leiden. Leiden an der zeitgenössischen Musik, an ihrer Unfähigkeit, das Herz zu erreichen. «Die Avantgarde ist geboren aus dem Entsetzen und den Katastrophen des 20. Jahrhunderts», schreibt Floros. «Diese kann sie auch hervorragend ausdrücken. Aber damit sind ihre Möglichkeiten weitgehend...
ARD-ALPHA
6.9. – 20.15 Uhr (1)
18.10. – 20.15 Uhr (2)
Klassik am Odeonsplatz.
1. 2013. Musikalische Leitung: Yannick Nézet-Séguin. Solisten: Rolando Villazón und Thomas Hampson. Werke von Wagner und Verdi. 2. 2015. Musikalische Leitung: Pablo Heras-Casado. Werke von de Falla, Prokofjew, Debussy und Ravel.
13.9. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Strauss: Ein...
