Leichtes Spiel, todernst
In seiner Mannheimer «Götterdämmerung» schickt Achim Freyer Siegfried und Brünnhilde auf eine wilde theatrale Zeitreise, bei der Zukunft und Vergangenheit, Archaik des Mythos und Realität des Heute einander in Szene und Optik durchdringen. Wie stets agiert Freyer als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner sowie Lichtgestalter in Personalunion, und das gibt dem visionären Spektakel trotz aller Verspieltheit eine strenge Geschlossenheit.
Geblieben ist von den vorausgegangenen Teilen der leere, nach allen Seiten abgeschlossene Raum – jetzt allerdings von drei glitzernden Spiegelwänden umstellt, auf denen sich die Figuren und ihre szenischen Doubles unterm pausenlosen Einsatz der Lichtmaschinerie ins Virtuelle vervielfältigen. Geblieben ist auch das unablässig kreisende Rund der Drehbühne, das bei diesem Spiel vom Ende der Zeiten unerbittlich Regie führt und erst mit dem Tod aller Beteiligten zum Stillstand kommt. Zum Auftritt der unheilkündenden Nornen zitiert Freyer ein letztes Mal sein Versuchslaboratorium aus Linie, Dreieck, Kreis und Quadrat, während sich gleichzeitig das gesamte bisherige Götter-, Helden- und Zwergenpersonal als bedrohliche Familienaufstellung im Hintergrund ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Uwe Schweikert
Der Abend könnte auch Hermanns Erzählungen heißen. Tschaikowskys Hermann und Offenbachs Hoffmann sind Brüder im romantischen Geiste – fragile Existenzen, die, wie der britische Germanist Roger Paulin schreibt, «sehr leicht ins Dämonisch-Fratzenhafte, ja ins Verbrecherische abgleiten» können. Regisseurin Eva-Maria Höckmayr erzählt in ihrer Freiburger «Pique...
Mit neunzehn hat man noch Träume. Der Student Ruggero Leoncavallo, der bei Giosuè Carducci in Bologna Vorlesungen über die italienische Renaissance hörte und fast zeitgleich dem verehrten Richard Wagner in der Oper begegnete, träumte von einer nationalen Trilogie mit dem programmatischen Titel «Crepusculum» nach dem Vorbild des «Ring des Nibelungen». Ein Jahrzehnt...
Großer Bahnhof vor dem Bahnhof. Dem von einst, der heute ein Festspielhaus ist. Baden-Baden, der erste Abend der «neuen» Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker. Ein Anblick fast wie in der Salzburger Hofstallgasse, der das Orchester den Rücken kehrte. Eine Schwadron von Reisebussen aus ganz Baden-Württemberg und dem nahen Ausland. Hoch- und Erwartungsstimmung...
