Laboratorium für die Künste
Damals, in den studentenbewegten, morgenroten siebziger Jahren, ahnte wohl niemand, dass das schöne Italien, Sehnsuchts- und touristischer Wallfahrtsort unzähliger Nordlichter, eines Tages von Leuten regiert würde, die für die sogenannte «Hochkultur» nur Verachtung übrig haben. Statt, wie heute Berlusconi, die Theater, Orchester und Museen des Landes (nicht nur die großen!) durch eine aggressive Kürzungspolitik in den Ruin zu treiben, herrschte seinerzeit Aufbruchstimmung. Besonders in der Provinz.
Denn es waren vor allem die entlegenen, vernachlässigten Regionen zwischen dem Trentino und Sizilien, die vom politischen Klimawandel in Italien profitierten. Bei den Parlamentswahlen 1976 hatten die Eurokommunisten unter Enrico Berlinguer mehr als ein Drittel der Stimmen gewonnen. Selbst die in Rom etablierte Democrazia Cristiana kam an der neuen Kraft nicht länger vorbei. Und musste mit ansehen, wie Künstler, Intellektuelle und selbst Staatsdiener plötzlich «Kultur für alle» forderten. Es war die Zeit, als Luigi Nono von der ästhetischen Erziehung der Arbeiterklasse träumte, als Claudio Abbado und Maurizio Pollini in Fabrikhallen konzertierten – und als der aus der westfälischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen...
Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit Carl H. Hiller in dieser Zeitschrift mit einem monografischen Essay auf den wohl bedeutendsten polnischen Komponisten nach Chopin aufmerksam machte (siehe OW 1/1983): Karol Szymanowski. Damals kannten allenfalls ein paar Connaisseurs das umfangreiche Œuvre des eigensinnigen Ästheten, der zeit seines viel zu...
Warum einfach, wenn es auch schwierig geht? Nach diesem Grundsatz scheint sich die Stadt Linz bei den Planungen für ein neues Opernhaus gerichtet zu haben. Dass am Ende dennoch alles gut und die Kapitale Oberösterreichs ein attraktives Gebäude für ihr Musiktheater bekommen wird, darf man jetzt erstmals ernstlich hoffen: Im April erfolgte endlich der erste...
