Vor den Augen eines Wolfes
In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen Ereignisse – die Handlung spielt zur Zeit Iwans des Schrecklichen und seiner berüchtigten Geheimpolizei, der Opritschnina – sind allerdings nur der Vorwand für ein Intrigen- und Eifersuchtsdrama mit tödlichem Ausgang.
Kay Kuntze, der Künstlerische Leiter der Berliner Kammeroper, hat darum zu Recht in seiner Osnabrücker Inszenierung die Brücke über die Zeiten geschlagen. Martin Fischers variabler Bühnenraum zitiert mit der farbenbunten Ikonenwand die russische Vergangenheit, versetzt das Ganze im Übrigen aber ins heutige Russland: Die schwarzgewandete Schlägertruppe, der auch Grjasnoi angehört, trägt, wie die historische Opritschnina, Wolfsköpfe auf ihren schwarzen Ledermänteln. Und stechende Wolfsaugen schließen die Bühne nach oben ab – Symbol des in der Oper selbst nicht agierenden, aber als dräuendes Prinzip der ...
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