Konzepte und Klanggestalten
Die in Israel geborene Chen Reiss gehört zu den aufsteigenden Sopranistinnen im lyrischen Fach. Sie bringt alle Qualitäten mit, die man braucht, um ein Darling des Betriebs zu werden: eine silbrige Sopranstimme und das, was man heute als «glamorous looks» bezeichnet. Ihr viertes Recital (im Zeitraum von drei Jahren) ist, wie heute offenbar obligatorisch, ein Konzeptalbum. Im Mittelpunkt steht der Gesang der Nachtigall, seit Walther von der Vogelweide ein Symbol für die Liebe.
Die 25 Lieder hat Reiss assoziativ mit den Themen Eros, Elysium, Einsamkeit, Humor und Mythos verknüpft und eine Art Glaubensbekenntnis aus der Sphäre triefender Sentimentalität hinzugefügt: «Ich glaube an die Macht der Liebe, die Schönheit der Liebe, an das Glück, das sie unserem Leben schenkt. Die Liebe hat mein Herz mit unglaublicher Wärme erfüllt.»
Das Programm ist reich an Raritäten aus mehr als drei Jahrhunderten, aber nicht sehr kontrastreich in der Wahl der vokalen Mittel. Reiss’ Stimme behält auch in der höchsten Lage ihren Schimmer, gleitet geschmeidig durch intrikate Melismen wie in Ernst Kreneks «Die Nachtigall». Dass es um die Textbehandlung weniger gut steht, ist nicht allein eine Frage der ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Kesting
Huiiiiiiiiii. Eine Hand sirrt durch den Dschungel. Trifft auf einen stehenden Zierteich, volles Rohr. Splashshshshshshshsh. Zoooooooooom. In Zeitlupe schießt die Fontäne auf, zerstiebt in Myriaden Tropfen, zu einer Glitzerwolke, die direkt vor unserer 3D-bebrillten Nase tanzt. Ein Naturschauspiel aus dem Computer, perfekte Simulation. Unwillkürlich fühlen wir nach,...
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