Konzepte und Klanggestalten

Neue Recitals von Chen Reiss, Susan Graham und Anne Schwanewilms

Opernwelt - Logo

Die in Israel geborene Chen Reiss gehört zu den aufsteigenden Sopranistinnen im lyrischen Fach. Sie bringt  alle Qualitäten mit, die man braucht, um ein Darling des Betriebs zu werden: eine silbrige Sopranstimme und das, was man heute als «glamorous looks» bezeichnet. Ihr viertes Recital (im Zeitraum von drei Jahren) ist, wie heute offenbar obligatorisch, ein Konzeptalbum. Im Mittelpunkt steht der Gesang der Nachtigall, seit Walther von der Vogelweide ein Symbol für die Liebe.

Die 25 Lieder hat Reiss assoziativ mit den Themen Eros, Elysium, Einsamkeit, Humor und Mythos verknüpft und eine Art Glaubensbekenntnis aus der Sphäre triefender Sentimentalität hinzugefügt: «Ich glaube an die Macht der Liebe, die Schönheit der Liebe, an das Glück, das sie unserem Leben schenkt. Die Liebe hat mein Herz mit unglaublicher Wärme erfüllt.»

Das Programm ist reich an Raritäten aus mehr als drei Jahrhunderten, aber nicht sehr kontrastreich in der Wahl der vokalen Mittel. Reiss’ Stimme behält auch in der höchsten Lage ihren Schimmer, gleitet geschmeidig durch intrikate Melismen wie in Ernst Kreneks «Die Nachtigall». Dass es um die Textbehandlung weniger gut steht, ist nicht allein eine Frage der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Lost in Paradise

Huiiiiiiiiii. Eine Hand sirrt durch den Dschungel. Trifft auf einen stehenden Zierteich, volles Rohr. Splashshshshshshshsh. Zoooooooooom. In Zeitlupe schießt die Fontäne auf, zerstiebt in Myriaden Tropfen, zu einer Glitzerwolke, die direkt vor unserer 3D-bebrillten Nase tanzt. Ein Naturschauspiel aus dem Computer, perfekte Simulation. Unwillkürlich fühlen wir nach,...

Monsieur 100 000 Volt

Luigi Cherubinis 1791 am Pariser Théâtre Feydeau, der Hochburg der Royalisten, mit sensationellem Erfolg uraufgeführte Rettungsoper «Lodoïska» schwankt zwischen empfindsamer Melodik und hektischem Streichergestichel. Die staccato-Orkane wollen die Gewalt wilder Emotionen und krasser Situationen so nackt wie möglich in die Ohren peitschen. Kein Wunder, dass...

Baustelle Babel

Nachdem Guy Cassiers kürzlich im Berliner Staatsopern-«Ring» einen Bewegungschor einsetzte, tut die englische Choreografin Rosamund Gilmore in Leipzig nun beim «Rheingold» das Gleiche. «Mythische Elemente» nennt sie zwölf Damen und Herren in elastischen Ganzkörperkostümen, wie man sie aus Avantgarde-Balletten der 50er- bis 70er-Jahre kennt. Zur Weltentstehungsmusik...