Komponierte Regie
Das von Richard Erkens in der Komponisten-Reihe der Verlage Metzler und Bärenreiter herausgegebene «Puccini-Handbuch» schafft endlich die Grundlage für eine vertiefte Beschäftigung mit dem jahrzehntelang nicht nur in Deutschland unterschätzten populären Musikdramatiker. Es macht Schluss mit der hochmütigen Verachtung durch die Gebildeten, aber auch mit der Vernachlässigung durch die akademische Musik- und Theaterwissenschaft.
Dem Herausgeber Richard Erkens und seinem kompetenten Mitarbeiter-Team ist es gelungen, nicht nur den inzwischen erreichten Stand der internationalen Forschung kompakt auf fast 500 engbedruckten Seiten zusammenzufassen, sondern auch darzustellen und zu erklären, warum Puccini mehr ist als ein «Genie der Sentimentalität» (Strawinsky) und wie seine Werke auf der Bühne funktionieren.
Die insgesamt 36 Kapitel spannen einen weiten Bogen, der vom politischen und ästhetischen Kontext der Zeit über die musikalischen und theatralen Prinzipien des Werks bis hin zu Fragen der Interpretation und Rezeption reicht. Herzstück ist, wie stets in den Bänden dieser Handbuch-Reihe, der Werkteil, der in perspektivenreichen Einzelartikeln neben den zwölf Opern auch das Frühwerk ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
Die stärkste Stimme kommt ohne Worte aus. Ein oszillierendes Irgendetwas ist aus dieser Partitur zu vernehmen, mit stufenlosen Wechseln der Aggregatzustände, irisierend, so unfassbar wie verlockend. Vor allem aber: gekonnt instrumentiert. In der musikalischen Ausstattung des Ozeans, dem Glück und Verheerung bringenden Protagonisten, fand Detlev Glanert seine...
Steht man vor den großen Opern und Kunstmuseen in Europa oder Amerika, ist die Assoziation Tempel, Palast, Festung fast unvermeidlich. Schier uneinnehmbar scheinen sie, Treppen führen hinauf zur hohen Kunst: «Meisterwerke» wie Gehäuse für die Ewigkeit bestimmt, das schlechthin Museale als «Einschüchterung durch Klassizität» (Bertolt Brecht). Doch alles bleibt...
Vielleicht war Dieter Schnebel unter den Komponisten der Nachkriegsavantgarde derjenige, der die Grenzen des Experimentellen am weitesten erforschen konnte. Das Reflektieren, Probieren auf den Feldern des musikalisch Neuen betrieb der Musikwissenschaftler, Theologe, Essayist und Hochschullehrer bis ins hohe Alter. Noch kurz vor seinem Tod am 20. Mai präsentierte...
