Entwurzelt
Die stärkste Stimme kommt ohne Worte aus. Ein oszillierendes Irgendetwas ist aus dieser Partitur zu vernehmen, mit stufenlosen Wechseln der Aggregatzustände, irisierend, so unfassbar wie verlockend. Vor allem aber: gekonnt instrumentiert. In der musikalischen Ausstattung des Ozeans, dem Glück und Verheerung bringenden Protagonisten, fand Detlev Glanert seine größte Spielwiese. 2012 kam seine «Solaris»-Oper in Bregenz heraus (siehe OW 9-10/2012).
Man muss sich diese amorphe Klanglandschaft in Erinnerung rufen, um zu erkennen, wie weit entfernt davon eine andere Vertonung des Stoffes liegt. Dai Fujikura dampfte mit Librettist Saburo Teshigawara den Vorlage-Roman von Stanislaw Lem auf Diskursives ein. Vordringlich war nicht das instrumentale Ausmalen einer fremden Welt; das japanische Duo hielt sich an Lems Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn man mit allzu Bekanntem, mit den Fleisch gewordenen Erinnerungen und Spiegelungen der eigenen Psyche konfrontiert wird? Wie echt sind diese Imaginationen? Haben sie gar ein Existenzrecht? Drei Figuren verhandeln das mit erklecklichem Textballast, und der zieht eine ebenso kurzatmig-kleinteilige Musik nach sich.
Nach der Uraufführung in Paris ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Markus Thiel
Über die gleißende Marmorfläche vor dem Königlichen Opernhaus Maskat zieht eine Poliermaschine träge Kreise; in der Mall, die dem Theater einen Teil seines Budgets generiert, langweilen sich die Verkäufer. Trüb dümpelt die Sonne im Dunst aus Meeresdampf und Wüstenstaub. Wer seine Sinne beisammen hat, beschränkt tagsüber seine Wege auf Arbeit und Moschee.
Am...
Seiner berühmten und extremen Frankfurter «Rosenkavalier»-Inszenierung (2016) hängte Claus Guth die Bleigewichte mannigfacher Vergänglichkeits- und Todeszeichen an. Wie würde er nun mit Franz Lehárs «Lustiger Witwe» umgehen? Zu vermuten war, dass es überhaupt nicht lustig würde, sondern womöglich noch viel düsterer. Die 1905 uraufgeführte Operette gilt ja nicht...
Erst erwürgt Madame Mao ihren Gatten, dann schießt sie alle anderen über den Haufen, Amerikaner wie Chinesen. Schließlich ist es ihr Stück, das hier gespielt wird: «Das Rote Frauenbataillon» sollte, wie alles in Maos Ära, die Vergangenheit den kommunistischen Grundsätzen dienstbar machen, was mit einem Leichenberg aus 50 Millionen Toten endete. Im Libretto von...
