Kinder, macht Neues

Mannheim, Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg

Opernwelt - Logo

Wagners politisch vorbelastete Oper von der Utopie einer ästhetischen Selbstregierung des Volkes stellt für jeden Regisseur eine so verlockende wie schwierige Aufgabe dar – wie schwierig, hat Jens-Daniel Herzog zu spüren bekommen, als ihm am Ende seiner Mannheimer Inszenierung ein wahrer Buhsturm entgegenschlug. Dabei hat er den Knoten geradezu genial ge­löst und die Wunden des Stückes offen gelegt, indem er die Handlung ganz ins Heute rückt, ohne aber – wie oft geschehen – Nachhilfeunterricht in deutscher Geschichte zu geben.

So einsehbar nüchtern wie der helle Einheitsraum, den Mathis Neidhardt schuf, war das frische, lebendige Spiel und ließ doch selbst in der bitter karikierenden Zuspitzung noch jene Menschlichkeit durchschimmern, zu der Wagner hier findet.
Bei Herzog ist der verarmte Ritter Walther von Stolzing ein leicht in die Jahre gekommener Rocker, der verständlicherweise das Herz des properen Bürgertöchterleins Eva im Sturm erobert. Unterstützung findet er bei Nürnbergs Jugend, die im nächtlichen Aufruhr als Ausstellungsstücke in Ehren gehaltene Preziosen der Meistersingerzunft von den Podesten stürzt. Dass im Kostümfest des Finales, nach Walthers erfolgreich absolviertem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2008
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dem Tenor zu Füßen

Italienische Oper wird in London schon seit 1705 gegeben. Bis heute bildet sie den größten Posten auf den Spielplänen der britischen Hauptstadt. Freilich bietet der Fundus italienischer Barock- und Belcanto-Opern eine solche Fülle interessanter Werke, dass man immer wieder auf Stücke stößt, die noch nie oder seit Ewigkeiten nicht mehr zu erleben waren. So...

Wie lange halten Countertenöre?

Zwei Stücke aus der Hohen Messe, zwei aus der Johannes-, drei aus der Matthäus-Passion, eine Handvoll Kantaten-Arien: David Daniels’ Bach-Recital «Sacred Arias & Cantatas» ist gewöhnungsbedürftig. Vor allem, weil die Dramaturgie der CD Fragen aufwirft. Auf das kontemplative «Qui sedes» folgt das «Agnus Dei», dessen g-moll-Depression keinen Sinn macht ohne den...

Alcinas Wunderreich

Turmhohe Silberhaarperücke, Ballgarderobe, freundliches Lächeln. So stellte man sich Händels Alcina vor, als Joan Sutherland die Rolle mit ihrem Gatten Richard Bonynge am Pult des London Symphony Orchestra auf Schallplatte verewigte. Ein halbes Leben liegt das nun schon zurück, doch noch immer schaut die Alcina der Grand Old Lady des Koloraturgesangs voll...