Dem Tenor zu Füßen
Italienische Oper wird in London schon seit 1705 gegeben. Bis heute bildet sie den größten Posten auf den Spielplänen der britischen Hauptstadt. Freilich bietet der Fundus italienischer Barock- und Belcanto-Opern eine solche Fülle interessanter Werke, dass man immer wieder auf Stücke stößt, die noch nie oder seit Ewigkeiten nicht mehr zu erleben waren. So präsentierte das Royal Opera House kürzlich innerhalb eines Monats zum ersten Mal überhaupt eine Oper von Francesco Cavalli und die erste Produktion von Rossinis «Matilde di Shabran» seit 1854.
Ganz in der Nähe, im London Coliseum, brachte die English National Opera derweil Händels «Partenope» heraus, auch dies eine echte Premiere, wenn man einmal von den Aufführungen absieht, die zu Händels Lebzeiten, nämlich 1730, im King’s Theatre am Haymarket, damals das bedeutendste Opernhaus Londons, über die Bühne gingen.
Wie Monteverdi schrieb Cavalli für die Opernhäuser in Venedig, als die Gattung sich gerade zu etablieren begann. Und wenn seine 1651 komponierte «La Calisto» ein Maßstab ist, so kann man sagen, dass das Publikum schon damals Sex-Komödien liebte. Obwohl der Stoff wie üblich aus den antiken Mythen stammt – Götterchef Giove ...
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