Kalauer - arios eingefasst
H(einz) K(arl) Gruber, der arrivierteste Unterhaltungskünstler unter Österreichs Komponisten, mit einer Oper nach einem Text von H. C. Artmann, dem Sprachvirtuosen par excellence – eigentlich eine exquisite Konstellation! Grubers Komponieren entzieht sich der Einordnung. Anleihen beim Jazz, Chansons oder avantgardistische Geräuscheskapaden, mal in simpler Melodik, mal von lateinamerikanischen Rhythmen umspielt – Gruber mischt die Ausdruckswelten virtuos, unverwechselbar und unorthodox.
Nun steigt der Komponist, Dirigent, Chansonnier, Schauspieler und Kontrabassist mit einem großen, gut zweistündigen Stück Musiktheater quasi auf einer anderen Ebene ein. Das Herbert von Karajan Centrum in Wien hatte dem heute Zweiundsechzigjährigen den Auftrag erteilt. Nachdem Gruber 1971 mit «Frankenstein» (nach Kinderreimen von Artmann) seinen bisher nachhaltigsten Treffer gelandet hatte, durfte man auf das Märchen vom armen Bauer Geppone gespannt sein: von jenem Geppone, der den Nordwind anklagt, weil dessen Stürme seine Ernte verwüsten, der zweimal von diesem und dessen Frau Holla ein Wunderkästchen geschenkt bekommt (Verwendungsart: Tischlein deck dich!), der zweimal vom gefräßigen Prior ...
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Händels «Theodora» und Verdis «Falstaff», Berlioz‘ «Bérénice et Bénédict» und Monteverdis «Poppea» – und zum Ende der Saison noch Alban Bergs «Lulu» und Jean-Philippe Rameaus «Les Boréades»: lauter letzte oder späte Werke – eine wahrlich originelle Dramaturgie. Die Straßburg-Mulhouse-Colmarer Opéra national du Rhin kam darauf. Und keineswegs unoriginell auch das...
Operette unterm Hakenkreuz: Den Titel der Tagung nimmt mein Beitrag ernst und wörtlich. Das kann nur heißen: wie es der singulären Operette – überhaupt und insgesamt – im Zeitraum und Machtbereich der Nazidiktatur ergangen ist. Und den Gegenstand Operette selbst nimmt mein Beitrag ebenso ernst und wörtlich wie ihn jedes seriöse Nachschlagewerk definiert. Nämlich...
Das Lächeln der Mona Lisa, schon mehr als einmal hat man ihm erotische Motive unterstellt. So auch in Max von Schillings’ einstiger Erfolgsoper «Mona Lisa», die das Staatstheater Braunschweig in mustergültiger musikalischer Interpretation wieder hervorholte. Bewusst wurde der Nazi-Günstling hier in die Reihe der als «entartet» verstoßenen Komponisten von Korngold...
