Der Widerspenstigen Lähmung
Operette unterm Hakenkreuz: Den Titel der Tagung nimmt mein Beitrag ernst und wörtlich. Das kann nur heißen: wie es der singulären Operette – überhaupt und insgesamt – im Zeitraum und Machtbereich der Nazidiktatur ergangen ist. Und den Gegenstand Operette selbst nimmt mein Beitrag ebenso ernst und wörtlich wie ihn jedes seriöse Nachschlagewerk definiert. Nämlich als eine ganz bestimmte Gattung des heiteren Musiktheaters, die sich deutlich unterscheidet von Opera buffa, Posse mit Gesang, Revue.
Als eine Bühnenkunst, basierend auf Partitur und Libretto, die szenisch von lebendigen Akteuren vor ebenso lebendig anwesendem Publikum vollführt wird, letztlich jeden Abend anders. Ergänzt und getragen vom gleichfalls lebendig spielenden Orchester, geschieht das im Fall der Operette erstens in Gesängen, zweitens im gesprochenen Dialog, drittens in getanzten Szenen. Was da allemal auf der Bühne abläuft, ist eine musikdramatische Ereignisfolge, in der Konflikte ausgetragen werden zwischen den unterschiedlichen Interessen der singenden dramatis personae. Mithin fällt das Hauptgewicht auf die Ensembleszenen: als Treffpunkte und Knotenpunkte der musikalischen Auseinandersetzung.
Seit ihren ...
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Vielleicht ist «La forza del destino» tatsächlich Verdis problematischste Oper. Denn ihr kruder Mix aus hitziger Ekstase zweier junger Männer, der Leidenskraft einer Frau, religiöser Introversion und surrealer Kriegsverherrlichung bündelt Kräfte, die nicht selten aneinander zerren und das dramaturgische Gefüge zum Knirschen bringen. David Alden, sonst nicht...
«Comédie chantée» nannte Jules Massenet seinen 1905 uraufgeführten «Chérubin», ein entzückendes Werk über den nun etwas erwachsener gewordenen, aber immer noch in alle Frauen verliebten pubertären Cherubino: voller Leichtigkeit und Witz, dramaturgisch exzellent gebaut mit einer ausnehmend vielseitigen, qualitätvollen Musik, die auch schon mal nach der Opéra comique...
Detlef Altenbeck, der streitbare Oberspielleiter am Landestheater, hat diesmal alles richtig gemacht. Seine Textfassung der fast einhundertachtzig Jahre alten Opera buffa und seine ins Coburger Hier und Heute versetzte Inszenierung haben so viel Drive, Witz und Hintersinn, dass es leicht fällt, dieser Produktion Kultstatus zu prophezeien. Das Programmheft...
