Kaiserdämmerung

Münster, Mozart: La clemenza di Tito

Opernwelt - Logo

Mozarts «Titus» hat Konjunktur (siehe OW 3/2006). Das hat damit zu tun, dass bei diesem Werk die Rezeption noch nicht so festgefahren ist wie bei den Da-Ponte-Opern. Das zeigte sich auch in der Münsteraner Inszenierung von Wolfgang Quetes. Bei ihm spielt die Kaiserdämmerung, zu der Mozart und sein librettistischer Mitarbeiter Mazzolà die Textvorlage von Metastasios Krönungsoper verbürgerlicht und damit auch politisch umgebogen haben, im kalten Ambiente eines modernen Regierungspalastes.

Heinz Balthes macht aus der desolaten Technik des eben fünfzig Jahre alt gewordenen Münsteraner Großen Hauses eine Tugend, indem er die beiden beweglichen Wandteile seines Bühnenbildes geschickt zu immer neuen Raumausschnitten versetzt – am ein­drucks­­vollsten, wenn sich am Ende des ersten Aktes nach dem Brand des Kapitols und dem missglückten Mordanschlag auf Tito die beiden Segmente wie ein Sarg um das trauernde Volk schließen. Einigermaßen hilflos mutet dagegen an, dass die Umbauten auf offener Bühne von einer achtköpfigen Sekretärinnenschar bewerkstelligt werden, die dann und wann auch die amtlichen Beratungen und Verlautbarungen Titos eifrig mitstenografieren. Stringenz der szenischen Analyse, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ensemblegeist

Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahl­reichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu...

Strauss: Elektra

Musikalisch war die Saarbrücker «Elektra» ein Volltreffer. Ob angesichts dras­tischer Sparmaßnahmen dieser Standard auch in Zukunft zu halten sein wird, steht freilich in den Sternen. Zu­nächst legte aber der scheidende General­musikdirektor Leonid Grin eine überaus stimmige Einstudierung der komplexen Partitur vor, sorgte für gepflegtes Zusammenspiel,...

Stimmglanz statt Seelenkitsch

Als die Nazis Richard Tauber aus Deutschland vertrieben hatten, standen da schon zahlreiche Tenöre in den Startlöchern, seine Nachfolge als Operettenkönig anzutreten. Interessanterweise versuchten alle – voran Herbert Ernst Groh, Marcel Wittrisch, Karl Friedrich –, seinen Vortragsstil nachzuahmen. Die Tauber-Träne begegnet uns in den Aufnahmen der dreißiger und...