Strauss: Elektra
Musikalisch war die Saarbrücker «Elektra» ein Volltreffer. Ob angesichts drastischer Sparmaßnahmen dieser Standard auch in Zukunft zu halten sein wird, steht freilich in den Sternen. Zunächst legte aber der scheidende Generalmusikdirektor Leonid Grin eine überaus stimmige Einstudierung der komplexen Partitur vor, sorgte für gepflegtes Zusammenspiel, Konturenschärfe, straffe, dramatische Diktion, expressive Energien.
Für die Lesart des Dirigenten sprach dabei besonders die Art, wie er die sonore Gewalt der Klangballungen stets flexibel abfing, die Tonverhältnisse zwischen Bühne und Orchester durchweg ausgewogen hielt.
Im exzellenten vielköpfigen Ensemble profilierte sich Jayne Casselman als Tragödin großen Stils: eine Elektra von suggestiver Aura, mit hochdramatischer Durchschlagskraft. Wobei ihr mächtiger Sopran mitunter leicht aufgeraut klang. Maria Pawlus gab eine insgesamt überzeugende Klytämnestra, freilich mit begrenzter Ausdrucksskala und einer leichten Neigung zum Tremolieren. Stimmlich und musikalisch erstklassig Barbara Gilbert als Chrysothemis, souverän Patrick Simper als Orest, vorzüglich Stefan Vinkes hintergründiger Ägisth.
Fragen dagegen warf Chris Alexanders ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Terror-Chef rast: Die allzu schöne Überläuferin erwies sich als lauwarm. Nichts ist’s mit der Revolution, stattdessen spielen wieder mal die Gefühle verrückt. Da hilft nur die Hinrichtung. Liebe und Tod liegen nah beieinander, aber am Ende siegt nicht die Internationale, sondern – die Musik.
Natürlich siegt sie, denn Mozart hat sie geschrieben. Aus «Zaïde», dem...
Die japanische Wirtschaft mag derzeit schwächeln, die japanische Gesellschaft sorgenvoll in die globalisierte Zukunft blicken, die japanische Politik den schmerzlichen Umbau des Sozialstaates betreiben – doch allen Krisensymptomen zum Trotz ist die Nachfrage nach teurer «klassischer» Musik aus Europa ungebrochen. Spielen auf Einladung privater Impresarii, sagen...
In der Kunst, so schrieb Giuseppe Verdi an den die Partie des Falstaff studierenden Victor Maurel, «ist das Vorherrschen der reflektiven Tendenzen ein Zeichen von Dekadenz». Bei der Hamburger Inszenierung von «Simon Boccanegra» – verantwortet von Claus Guth und Christian Schmidt (Bühnenbild und Kostüme) – ist der Zuschauer gezwungen, lauter Regiereflexionen zu...
