Ensemblegeist
Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahlreichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu zeitgleich auf zwei CD-Neuproduktionen erscheint.
Von welcher anderen Mozart-Oper ließe sich das im Jubiläumsjahr behaupten? Während wir auf die Version unter René Jacobs noch ein wenig warten müssen, liegt die Produktion mit Charles Mackerras, aufgenommen kurz vor dem Edinburgh Festival im August 2005, bereits vor.
Schon die Ouvertüre hält nach drei Takten eine erste Überraschung parat. Mackerras und das Schottische Kammerorchester drosseln zwischen den Vierteln und der halben Note das Tempo. Das klingt verdächtig romantisch. Ein Streitfall, gewiss. Doch sobald die Geigen mit Pizzicati und die Holzbläser mit ersten Kantilenen beschäftigt sind, hält Mackerras das Tempo konstant. Es scheint, als wolle er jedem die Bedeutung dieses C-Dur mit seinem leuchtenden, klaren und leicht martialischen Duktus ins Ohr einschreiben.
Mackerra ...
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«I love you!» – Wenn Gustav Aschenbach dieses Bekenntnis seines Begehrens für den schönen jungen Tadzio am Ende des ersten Teils von Benjamin Brittens letzter Oper «Death in Venice» singt, dann ist das in der Frankfurter Erstaufführung ein Moment höchster Intimität und zugleich größtmöglicher Einsamkeit. Spots bringen Gesicht und das Weiß der Anzüge von Kim Begley...
Mit einer Vorstellungsdauer von über vier Stunden ist «Lotario», Hauptattraktion der 29. Händel-Festspiele, selbst für eingefuchste Händel-Fans ein ziemlich harter Brocken. Wie offenbar auch schon im Uraufführungsjahr 1729 in London. Nummer sechsundzwanzig (von insgesamt fünfundvierzig) der Opern Händels, stellt das Dramma per musica in tre atti nach einem...
Man muss genau zuhören an diesem Abend. René Jacobs, fast möchte man schon von einem Spätstil bei ihm reden, dirigiert Monteverdis «Poppea». Es sind knapp vier Stunden von minimalistischer Wirkung. Keinerlei grobe Affekte hat Jacobs der nur als Skelett überlieferten Partitur hinzuinstrumentiert. Die Farben bleiben gedämpft, aber in sich reich, der Ton leise, aber...
