Jede Note in Blut getaucht

Janáceks „Aus einem Totenhaus“ in Düsseldorf

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Die Realität von Janáceks «schwarzer» Oper – eine der finstersten der an düsteren Werken gar nicht so armen Operngeschichte des 20. Jahrhunderts – verweigert sich jedem theatralischen Realismus. Was hier in pausenlosen hundert Minuten auf die Sinne des Zuschauers und -hörers einstürmt, ist weniger die ungeschönte Brutalität der Handlung als die körperhafte Präsenz der Musik.

Was wir hören, ist von einer auch bei Janácek bis dahin beispiellosen Radikalität – dissonante, raue, ungeschönte Klänge, die wie aus dem Unterbewusstsein heraufdringen und sich mit fiebriger Erregtheit, ja geradezu zwanghaft manischer Wiederholung entladen. Janácek hat das für sein Komponieren konstitutive Prinzip der Sprachmelodie in seiner letzten Partitur, die er wenige Tage vor seinem Tod abschloss, nicht auf die Singstimmen beschränkt, sondern auf den Satz und die formale Konstruktion insgesamt übertragen. Nichts ist hier Begleitung, alles Aussage, Gesang, Ruf, ja Schrei. Selbst so ausgefallene Instrumente wie die Basstrompete, die rasselnden Ketten, die Glocken, gar erst die omnipräsenten Pauken fordern die Wahrheit des Komponierten ein. Jede Note ist in Blut getaucht – um eine Äußerung Janáceks über ...

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Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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