Irgendwo im Nirgendwo
Trotz der mitreißenden Musik ist Strawinskys einzige abendfüllende Oper kein Lieblingskind des Repertoires geworden. Dabei lag der Komponist nicht falsch, als er in William Hogarths satirischer Kupferstichserie packende theatralische Situationen für ein freches neoklassizistisches Musiktheater-Experiment erkannte.
Vielleicht hätte die Geschichte über den jungen Tom Rakewell, der nach einer Erbschaft zum Lebemann wird und an der Verderbtheit der Londoner Gesellschaft zugrunde geht, sogar eine zweite Dreigroschenoper werden können, deren barocke Vorlage ebenfalls den satirischen Geist der frühaufklärerischen Künstler um Hogarth atmet. Doch Strawinskys Librettist Wystan Hugh Auden vertraute nicht auf das Personal der Stiche: Er stellte Tom mit Nick Shadow einen mephistophelischen Versucher an die Seite. Das verleiht der Bilderfolge zwar einen roten Faden. Doch die Gesellschaftssatire verliert durch die Einführung des faustischen, übernatürlichen Moments an Schärfe.
Es ist ein Dilemma, aus dem auch Arila Siegert in ihrer Schweriner Neuinszenierung keinen überzeugenden Ausweg findet. An ihrer küchenpsychologisch anmutenden Idee, die Geschichte aus der Entstehungszeit der Komposition zu ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Carsten Niemann
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