Nobel und selbstkritisch
Hermann Levi war einer der bedeutendsten Dirigenten des 19. Jahrhunderts. 1839 in Gießen als Sohn eines Rabbiners geboren, kam er nach dem Studium in Leipzig und Lehrjahren 1864 als Erster Kapellmeister nach Karlsruhe. Acht Jahre später wechselte er an die Hofoper in München, deren musikalische Leitung er mehr als zwanzig Jahre innehatte. Levi war eng mit Brahms befreundet, ließ sich aber zunehmend von Wagners Musik faszinieren, ja einnehmen.
Wagner erkannte seine Fähigkeiten (nicht nur als Dirigent, sondern auch als Studienleiter und Orchestermanager), bezog ihn 1875/76 als Assistent für den Bayreuther «Ring» ein. Dagegen, dass Levi die Uraufführung des «Parsifal» 1882 leitete, wehrte Wagner sich heftig. «Ungetauft darf er den Parsifal nicht dirigieren», heißt es in Cosimas Tagebuch. Levi leitete das Bühnenweihfestspiel dennoch, nicht zuletzt auf Druck des Bayerischen Königs Ludwig II., der Wagners Antisemitismus nicht teilte. Levis Tätigkeit in Bayreuth war jahrzehntelang von Konflikten überschattet, an denen Witwe Cosima einen wesentlichen Anteil hatte. Als Jude in einer Leitungsposition sah sich Levi auch in München immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Ganz abgesehen von den ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Stephan Mösch
Als ich damals anfing, bläuten mir die Kollegen ein, eine Ehe zwischen Opernsängern sei wie eine Expressfahrkarte in die Hölle. Ich heiratete eine Klarinettistin; der Bund ging trotzdem in die Brüche. Also pfiff ich auf gute Ratschläge und traute mich noch einmal – mit einer Opernsängerin. Und heute, fast zwanzig Jahre später, funktioniert es immer noch erstaunlich...
Kein Wunder, dass Edvard Grieg abwinkte. Das Libretto, das Maurice Maeterlinck 1899 schrieb, um seiner singenden Lebensgefährtin gute Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen, eignet sich kaum für eine Oper. Mythos auf Märchen getürmt; symbolistische Übersteigerung, abgefangen durch krass realistische Raum- und Regievorstellungen; Seelenschau statt Narration; die...
Das ist der Stoff, aus dem man Opernlibretti (oder Hollywood-Streifen) schneidert: Liebe und Leidenschaft bis in den Tod, Hochmut und Fall, Stolz und Vorurteil. Alles enthalten in Emily Brontës Roman «Wuthering Heights», der beim Erscheinen 1847 durchaus auf Widerspruch stieß, aber längst zum Kanon der englischen Literatur zählt.
Ein gutes Jahrhundert später machte...
