Die Gegenwart des Vergänglichen
Peter Gülkes neues Buch verschränkt zwei Textebenen. In 54 essayistisch angelegten Kapiteln denkt der Dirigent und Musikwissenschaftler, der 2014 mit dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet wurde, über Musik und verschiedene Formen von Abschied nach. Dazwischen stehen fünf «Selbstgespräche» – interpolierte, tagebuchartige Notizen, in denen er versucht, den Tod seiner Frau zu verarbeiten.
Ein persönliches Buch also, das – sofern man es als Sachbuch liest – eine lange Inkubationszeit haben dürfte und durch den biografischen Einschnitt weniger motiviert wurde als seinen finalen Energieschub erhielt. Insofern ist es müßig zu fragen, ob beide Textebenen wirklich sein müssen. Sie bedingen sich weder genetisch noch inhaltlich, sicherlich aber mit Blick auf die Schaffenspsychologie des Schreibprozesses. In den «Selbstgesprächen» strebt Gülke weder eine literarische Form an, noch belässt er es bei nüchterner Beschreibung. Er geht einen Mittelweg, was in diesem Fall größtmögliches (stilistisches) Risiko bedeutet. Schuldgefühle sind es vor allem, die den Zurückgebliebenen belasten – eine Erfahrung, die jeder bestätigen wird, der einen nahen Angehörigen verloren hat. Gülke mokiert sich ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Stephan Mösch
Impressum
56. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752279
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 11.05.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Karl Goldmarks 1875 an der Wiener Hofoper uraufgeführte «Königin von Saba» war einst ein Welterfolg. Damit ist es lange vorbei. Das hat weniger mit dem antisemitischen Nazi-Bannfluch gegen den assimilierten Juden ungarischer Herkunft als mit dem Stück selbst zu tun, für das die Bibel lediglich den stofflichen Rahmen hergibt. Goldmark hatte vielmehr mit dem...
Ist plötzlich die Last von ihm abgefallen? Der innere Druck intensiver Probenwochen? Die Krisen des zweijährigen Ringens um ein Stück, ein Genre, das wie ein Buch mit sieben Siegeln erschien? Sind sie plötzlich verflogen, die Zweifel, Skrupel, bohrenden Fragen, die so lange im Kopf herumspukten? Wieder und wieder hatte er sie mit «der Bettina» (Bartz) und «dem Luc»...
