Im Bann des Sexus
Hindemiths Einakter-Triptychon sorgte in den Roaring Twenties für diverse Theater-Skandale, war dem Autor aber selbst bald so peinlich, dass er es aus dem Verkehr zog und schließlich 1958 ganz verbot. Heute findet es – zuletzt in Bonn (siehe OW 11/2012), jetzt in Osnabrück – als Manifest des musikalischen Expressionismus zu Recht Interesse, auch wenn seine Libretti eher verstaubt wirken.
Im ersten, auf einen wirr-verschwitzten Text des Malers Oskar Kokoschka zurückgehenden Stück «Mörder, Hoffnung der Frauen» geht es um den Geschlechterhass, einen Liebestodeskampf, in dem die Frau schließlich der sexuellen Aggressivität des Mannes unterliegt. Der zweite Einakter «Das Nusch-Nuschi», eine preziös überkandidelte Farce «für burmanische Marionetten» auf einen Text Franz Bleis, huldigt der Erotik als lustvollem Spiel und entpuppt sich als veritable Opernpersiflage, in der Wagner selbst mit dem Marke-Zitat «Mir dies, dies, Tristan, mir» auftritt, als der Kaiser vom Ehebruch seiner vier Frauen erfährt. Die fällige Sanktion erübrigt sich, weil der kaiserliche General, dem sein Diener Tum Tum (exzellent der spielerisch brillante Tenorbuffo Mark Hamann) das Vergehen in die Schuhe schiebt, ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Uwe Schweikert
Auf der Bühne des Berliner Radialsystems V ist, abgesehen von den Musikern, keiner unter sechzig: In «Dem Weggehen zugewandt», einem Projekt von Union Universal und dem Solisten-ensemble Kaleidoskop, geht es um Alter, körperliches Versagen, Demenz, Tod. Sechs Darsteller, die mit den Streichinstrumenten feste Beziehungen eingehen, rezitieren teils klischeehafte,...
Es sind vielleicht dreißig Jahre vergangen seit damals. Er kann nicht schlafen. Stumpfsinnig schaltet er die Wohnzimmerlampe an und aus. Klick, klack. Regen prasselt. Im Schlafzimmer wird die Gattin unruhig, steht auf, streicht ihm übers Haar. Er stößt sie weg. Eine Blutlache ergießt sich auf dem Gazeschleier am Portal, das Bild der zarten Butterfly erscheint, auf...
Jubilare
Obwohl er nie in Bayreuth aufgetreten ist, galt er vielen als bedeutendster Wotan und Holländer seiner Generation: Robert Hale, geboren in Texas, hat sich Zeit gelassen bei der Entwicklung seiner Bassbariton-Stimme. 1965 debütierte er in Denver als Mozart-Figaro, gehörte dann zehn Jahre zum Ensemble der New York City Opera. In Europa hatte er seine größten...
