Traumaträume
Es sind vielleicht dreißig Jahre vergangen seit damals. Er kann nicht schlafen. Stumpfsinnig schaltet er die Wohnzimmerlampe an und aus. Klick, klack. Regen prasselt. Im Schlafzimmer wird die Gattin unruhig, steht auf, streicht ihm übers Haar. Er stößt sie weg. Eine Blutlache ergießt sich auf dem Gazeschleier am Portal, das Bild der zarten Butterfly erscheint, auf dem Boden hingestreckt, dann das Gesicht des Kindes.
Regisseurin Eva-Maria Höckmayr erzählt die Geschichte der «Butterfly» als Rückblick. Noch einmal durchlebt Pinkerton alles.
Verhandelt den Ehevertrag, schaut sich selbst bei der Hochzeitszeremonie zu. Lässt sich noch einmal von Butterflys Koketterie amüsieren, von ihrer Grazie verführen, von ihrer Hingabe berühren. Verlässt sie, nimmt ihr das Kind. Er wandert im Satin-Pyjama durch die Räume der Erinnerung. Dafür hat Nina von Essen die Drehbühne so schlicht wie aussagefähig bestückt: Pennsylvania und Nagasaki, hier ein 50er-Jahre-Wohnzimmer, dort die traditionellen shoji, die japanischen Papier-Schiebewände, in der Mitte eine Empore, von hängenden Bambusstäben zu einer Art flexiblem Käfig gemacht.
Im ersten Akt geht das Konzept auf – und nahe. Weil so aus der sonst oft ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Wiebke Roloff
Sein erstes Orchesterstück wurde gleich bei den Proms aufgeführt. Da war George Benjamin zwanzig. «Ringed by the Flat Horizon» – der Titel des 20-Minuten-Opus spielt auf ein Foto an: ödes Land, lichter Himmel, Sturmgewölk, aus dem ein Blitz zuckt. Ein Bild statisch-bewegter Natur, das viel sagt über die Klangbilder und Bildklänge, die Benjamins Musik auszeichnen....
Dass Senta die eigentliche Hauptfigur im «Fliegenden Holländer» und dieser nichts anderes als eine Projektion von ihr ist, lässt sich aus Text und Musik dieser romantischen Oper ohne Umwege begründen, und es bietet sich als Ausgangspunkt für eine Interpretation aus heutiger Sicht geradezu an. Florentine Kleppers Einfall, die Geschichte in sich überlagernden...
Kurz vor dem Ende der letzten Spielzeit hatte es nach chaotischem Vorlauf doch noch geklappt: Der Sieben-Stunden-Kurz-«Ring» des Teatro Colón ging mit großem Tamtam über die Bühne (siehe auch Seite 32). Doch waren es in den Medien weniger beachtete Produktionen, die in Buenos Aires für frische Opernerlebnisse sorgten: Enescus «Oedipe» und Szymanowskis «Hagith»...
