Raritäten, Kalamitäten
Kurz vor dem Ende der letzten Spielzeit hatte es nach chaotischem Vorlauf doch noch geklappt: Der Sieben-Stunden-Kurz-«Ring» des Teatro Colón ging mit großem Tamtam über die Bühne (siehe auch Seite 32). Doch waren es in den Medien weniger beachtete Produktionen, die in Buenos Aires für frische Opernerlebnisse sorgten: Enescus «Oedipe» und Szymanowskis «Hagith» etwa, Händels «Rinaldo» und Mercadantes «I due Figaro».
In der aktuellen Spielzeit will Südamerikas größtes Opernhaus nicht nur mit einem argentinischen Opus punkten – «Bebe Dom o la Ciudad Planeta» von Mario Perusso. Als echte Rarität darf das Rachmaninow-Doppelprogramm mit dessen Opernerstling «Aleko» sowie «Francesca da Rimini» gelten. Zudem standen bzw. stehen neue Produktionen von Strauss’ «Frau ohne Schatten», die erste seit 34 Jahren, und von Verdis «Otello» auf dem Programm – mit José Cura in der Titelrolle (wie bereits 1999), der nun auch Regie führt.
Dank erfahrener, formidabler Strauss-Interpreten wie Manuela Uhl, Elena Pankratova, Iris Vermillion, Stephen Gould und Jukka Rasilainen wurde «Die Frau ohne Schatten» unter der musikalischen Leitung des kürzlich zum Principal Conductor des Colón-Orchesters ernannten Ira ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Pablo Bardin
Mit einer Neuinszenierung von Händels «Almira, Königin von Castilien» schrieb das 1980 gegründete, alle zwei Jahre stattfindende Boston Early Music Festival im Juni die Tradition fort, wenig bekannte Barockopern im Licht aktueller Entwicklungen auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis vorzustellen. Die erste Oper des Komponisten, 1705 am Hamburger...
Wir sollten Wagners «Meistersinger» doch bitte nicht zu ernst nehmen, forderte David Alden in einem Interview zur Premiere. Und tatsächlich kaspert sich der viel beschäftigte Brite veritabel durch die drei Aufzüge. Das ist zumindest eine Seite seiner Inszenierung, die allerdings auch immer wieder ins Dunkle, Abgründige, buchstäblich Nachtschwarze kippt. Statisten...
Kaum eine Verdi-Darstellung verzichtet darauf, den bekanntesten Brief des Komponisten zu zitieren: «Das Wahre kopieren mag eine gute Sache sein, aber das Wahre erfinden ist besser, viel besser.» Aus dieser spontanen Äußerung nach dem Besuch eines zeitgenössischen Schauspiels ein ästhetisches Credo abzuleiten, ist so verführerisch wie riskant – umso mehr, als das...
