Höheres Spiel
Einst wurden im Musikunterricht die «deutschen Nationalopern» vermittelt: «Zauberflöte», «Fidelio», «Freischütz», «Meistersinger». Gemeinsam ist ihnen die alles entscheidende Prüfung, Bewährung, Probeschuss und -singen. Zudem sind sie, mit Ausnahme Wagners, «Singspiele»: Das gesprochene Wort gilt. Als Opern-Kanon-Gepäck des Bildungsbürgers hatte das Gewicht. Doch selbst musikinteressierte Vierzigjährige bekunden, die Werke wenig zu kennen und sich nicht allzu viel aus ihnen zu machen.
Man mag dies bedauern, muss es aber nicht, oder jedenfalls nicht nur: Schwindende Tradition kann auch Raum für Neues bedeuten. Zumal ältere Opernbesucher mitunter Erinnerungen an Ideal-Versionen verklären, die so hehr nicht immer waren. So ließ der Protest nach der Mannheimer «Freischütz»-Premiere fragen, welch heiliges Werk-Bild die Folie hierfür gewesen sein könnte. Denn dem musikdramaturgisch Disparaten mit Bild-Einheitlichkeit zu begegnen, ist Tradition, zumal seit Achim Freyers legendärer Stuttgarter Version 1980.
Nun hat wieder ein Künstler der Leipziger «Realisten»-Schule Webers Oper mit Bildern versehen. Hatte in Bonn 1993 Werner Tübke Motive seines riesigen Bauernkriegs-Rund-Panoramas in ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhard R. Koch
Herr Fagioli, als «Artaserse» von Leonardo Vinci auf CD erschien, sagte Philippe Jaroussky, die wahre Sensation der Aufnahme werde nicht er selbst, sondern Franco Fagioli sein. Sind Sie ein Überflieger?
Das ist ein tolles Kompliment! Dabei bin ich fast vor Schreck gestorben, denn ich musste neben vier weiteren Countertenören bestehen: Philippe Jaroussky, Max Emanuel...
Zunächst sieht es so aus, als sei Anthony Pilavachis neueste Wagner-Inszenierung ganz und gar aus dem Dekorativen erwachsen; Tatjana Ivschinas Bühnenbild, ein feudaler großbürgerlicher Spätbiedermeier-Salon, fügt sich geradezu ideal in den Jugendstil-Rahmen des Lübecker Bühnenportals. Ein optischer Genuss. Dann aber bemerkt man, dass der Regisseur, ohne die...
Wir sind, wohin wir gehören, wenn sich der Vorhang hebt. Im Theatermuseum nämlich. Überrascht blicken wir auf das Arrangement, das wie ein Gemälde von Edgar Degas anmutet: Tänzerinnen in gefrorenen Posen. Die Erinnerung wirft Schatten. Nur der Rauch, der sich links am Portal kringelt, verheißt Leben: Ein Mann, der sich im Laufe des Abends als Procida herausstellt,...
