Hingabe ohne Heiligenschein
Der Komponist Mathias Spahlinger ist ein rigoroser Verächter der Postmoderne in einem doppelten Sinn: Künstlerisch lehnt er jede Rückversicherung bei angeblich intakten Traditionen ab, erst recht allfällig wohlfeiles anything goes. In solcher Entschiedenheit steht er Helmut Lachenmann nahe. Außerdem ist er dezidierter Linker, vertraut nicht im mindesten dem juste milieu-Glauben, die Welt sei, so wie sie ist, in Ordnung, und bedürfe nicht permanenter Verbesserung.
Da wäre er näher bei Hanns Eisler; doch von der strikten Avantgarde will er nicht lassen, dem intellektuellen Spagat zwischen Autonomie und Engagement nicht ausweichen.
So verwunderte es kaum, als Spahlinger vor einigen Jahren im Gespräch bekannte, unvermutet und eher sarkastisch als pathetisch: Olivier Messiaen bleibe für ihn ein Allergrößter – wäre er auch noch Kommunist. Dabei ist das Statement weniger paradox, als es klingt. Messiaen war gläubiger Katholik, seit 1930 spielte er regelmäßig in der Pariser Église de la Trinité die Orgel. Theologische Heilslehren haben sein Komponieren zeitlebens bestimmt. Fromm war er, aber kein Frömmler, darin Bach vergleichbar, auch in der Rationalität der Exegese. Auf die Frage nach ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Gerhard R. Koch
Sie sind zwar bloß aus Papier oder Plastik, doch sie bergen tiefe Gefühle: Alljährlich im November stecken Briten sich im Gedenken an die Verheerungen der großen Kriege des 20. Jahrhunderts Mohnblüten ans Revers. Der 11. November (an dem im Jahr 1918 der Erste Weltkrieg endete) ist «Remembrance Day», informell auch «Poppy-Day» genannt, in Anlehnung an das Gedicht...
Selbst schuld, wer im Parkett sitzt. Man wird zwar gesehen, sieht aber keineswegs optimal, speziell bei dieser Monteverdi-Produktion im Haus für Mozart. Denn die «Szenen wie in der Sixtinischen Kapelle», von denen Jan Lauwers in Zusammenhang mit seiner Sicht auf «L’incoronazione di Poppea» sprach, erschließen sich fast ausschließlich den Zuschauern im Rang: Leiber...
Es ist nicht zuletzt ihr Schalk, der Montserrat Caballé unvergesslich macht. Als sie einmal in Köln die Marschallin im «Rosenkavalier» sang, galt deren am Ende des ersten Akts angekündigter Besuch beim Onkel Greifenklau nicht diesem, sondern einem Oheim Drachenfels (für Nicht-Rheinländer: So nennt sich ein beliebter Ausflugsort am Rhein nahe Bonn). Und als Salome...
