Vorhof der Sprache
Selbst schuld, wer im Parkett sitzt. Man wird zwar gesehen, sieht aber keineswegs optimal, speziell bei dieser Monteverdi-Produktion im Haus für Mozart. Denn die «Szenen wie in der Sixtinischen Kapelle», von denen Jan Lauwers in Zusammenhang mit seiner Sicht auf «L’incoronazione di Poppea» sprach, erschließen sich fast ausschließlich den Zuschauern im Rang: Leiber über Leiber auf dem Bodentuch, verfertigt in der Art Michelangelos und seiner Zeitgenossen. Im Zentrum ein kleines kreisrundes Podest, auf dem sich den ganzen Abend lang Tänzer drehen wie Brummkreisel.
Einander abwechselnd, solistisch, solipsistisch, autistisch. Aber – um dieses modische Unwort mal zu gebrauchen – nachhaltig. Und immer im Uhrzeigersinn. Als Repräsentanten der Realzeit sozusagen, die fiktive Bühnenzeit konterkarierend. Aber auch als Symbol für die Unerbittlickeit des Geschehens.
Rechtsdrehend also. Dass dahinter eventuell der Kalauer stecken könnte, Politik bewege sich im Kreise – und im Moment auch deutlich rechts herum –, möchte man Lauwers, dem Universalbühnenmenschen mit Tanztheaterschwerpunkt, nicht unterstellen. Auch wenn er in einer Pressekonferenz forderte, Kunst müsse eine Antwort geben auf ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché
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