Großes Herz, viel Humor, makellose Technik
Es ist nicht zuletzt ihr Schalk, der Montserrat Caballé unvergesslich macht. Als sie einmal in Köln die Marschallin im «Rosenkavalier» sang, galt deren am Ende des ersten Akts angekündigter Besuch beim Onkel Greifenklau nicht diesem, sondern einem Oheim Drachenfels (für Nicht-Rheinländer: So nennt sich ein beliebter Ausflugsort am Rhein nahe Bonn). Und als Salome behauptete sie schon mal, Jochanaans Hund geküsst zu haben.
Solche Anekdoten an den Anfang eines Nachrufs zu stellen, mag seltsam erscheinen. Doch hätte es die Caballé ganz sicher nicht als Pietätlosigkeit betrachtet.
Ihr Humor – begleitet von heftigem Kichern, das den Körper in konvulsivische Zuckungen versetzte – war ja legendär. Zugleich machte er sie so nahbar wie sonst kaum eine Diva der Opernwelt. Ihrer unprimadonnenhaften Herzlichkeit wegen wurde sie vom Publikum geliebt – und auch von den Sängerkollegen, was gerade auf diesem Terrain entschiedener Eitelkeit und Eifersucht fast wie ein Wunder erscheint.
In Rom hatte mal jemand «Stupenda» an ihre Garderobentüre geschrieben, eilig, in wackeligen, schüchternen Großbuchstaben, so, als wolle er sich bei dieser Geste herzlicher Verehrung nicht ertappen lassen. Es war ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Abschied, Seite 36
von Gerhard Persché
Vorn ist einer laut schnarchend eingeschlafen, rechts drängen sich Empörte aus dem Saal, links fließen stille Tränen. Flüstern überall: Das Publikum weiß nach der Pause nicht, wohin mit sich in Romeo Castelluccis «Zauberflöte» an der Brüsseler Münze.
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Inge Borkh war die letzte Überlebende jener beeindruckenden Sopranistinnen-Riege, die zwischen 1950 und 1970 die Opernbühnen beherrschte. Wie keine zweite Sängerin, deren Kunst auf Tondokumenten festgehalten ist, war sie die Inkarnation von Strauss’ Elektra, einer Partie, die sie mehrere hundert Mal sang. «Frenetische Leidenschaft, erhabene Liebe, fantastischer...
