Hierarchien der Brutalität
Mussorgskys mächtige, dissonante Glockenakkorde setzen die Interpunktion in einem Drama, dessen tragischer Held ein Kollektiv ist. Das Volk. Weil das Volksdrama, wie es Mussorgsky vorschwebte, sich nicht nur in der russischen Geschichte wiederholt, hat sich Regisseur Lev Dodin gegen eine platte Aktualisierung entschieden. Stattdessen ließ er sich, um Hierarchien abzubilden, von Alexander Borovskiy ein Gerüst in mehreren Schichten entwerfen: Das Volk und die Palastwache der Strelitzen stehen ganz unten, die Macht ist oben. Man fühlt sich an den Kreml-Balkon erinnert.
Zugleich herrscht eine mörderische Enge wie in den Viehwaggons der Sonderzüge nach Treblinka und Auschwitz. Auftritte und Abgänge sind hier wörtlich zu nehmen: Sie geschehen vertikal mit der Hebebühne.
Iwan Chowanski, der am Ende ermordete Führer der Strelitzen (Ferruccio Furlanetto hört man seine vierzig Jahre auf der Bühne an, er ist aber noch immer beeindruckend bei Stimme) muss zum Aufsteiger Golizyn aufschauen (Herbert Lippert mit harmlos-wohlklingendem Tenor), beide blicken hochmütig auf den fundamentalistischen Massenverführer Dossifei in der untersten Etage hinab (Ain Anger als charismatischer, aber wenig ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Dietmar Polaczek
Vierhundertfünfzig Musiker wurden bei der Uraufführung gebraucht, darunter hundert Streicher, dreizehn Harfen und dreihundert Bläser, zusätzlich noch Chor und Gesangssolisten. Die Rede ist nicht von Hector Berlioz’ «Te Deum» oder dessen Requiem. Die Rede ist von der Oper «Prométhée», vollendet im Jahr 1900 von jenem französischen Komponisten, der dem Monumentalen,...
Vom Himmel in den Abgrund? Die französische Sopranistin Sandrine Piau zählt nicht zu den vermarktungshungrigen Vertreterinnen ihres Fachs. Sie produziert nicht permanent Alben, um in die Charts zu springen. Nach ihrer letzten Aufnahme mit französischen Opernraritäten des 18. Jahrhunderts, die dem «Triumph der Liebe» gewidmet waren, nimmt sie sich nun – thematisch...
ARD-ALPHA
4.1. – 11.00 Uhr
Lorin Maazel dirigiert
Mozart: Symphonie g-moll KV 183; Symphonie C-Dur KV 551; Violinkonzert A-Dur KV 219, Solist: Ingolf Turban.
6.1. – 11.00 Uhr
Marcello Viotti stellt vor:
Ravel: Ma Mére l’oye.
6.1. – 20.15 Uhr
Strauss: Der Rosenkavalier.
Salzburger Festspiele 2014. Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst, Inszenierung: Harry Kupfer....
