Großes Kino
Dass (Opern-)Komponisten mit fortgeschrittenem Alter die Komik für sich entdecken, ist gar nicht selten. Verdis «Falstaff» ist sicher das bekannteste Beispiel. Doch auch Jules Massenet hat gegen Ende seiner Laufbahn mit «Panurge» (1911-1912 – posthum 1913 uraufgeführt) und zuvor mit «Don Quichotte» (1909) zwei komische Opern vorgelegt. Von der überbordend pikaresken Vorlage von Cervantes ist in diesem Werk wenig übrig geblieben, zu sehr wurde der Stoff zugunsten einer bühnentauglichen Fassung gerupft.
Die Titelrolle und die des Hanswurst-Adlatus Sancho Pança sind beide für Bässe geschrieben. Erster Darsteller des Don Quichotte war Fjodor Schaljapin: 1910 in Monte Carlo. Dessen Ruhmeswiege ist das Mariinsky in Sankt Petersburg – und von dort melden sich nun seine musikalischen Nachfahren mit einer Neuproduktion des Stücks. Valery Gergiev, der im Eiltempo beim orchestereigenen Label Konzert- und Opernproduktionen veröffentlicht, leitet das Orchester seines Hauses: von der ersten Szene an mit Volldampf, aber wo nötig (wie im ersten Duett zwischen Dulcinée und Don Quichotte) durchaus mit Anmut. Wie so oft bei Gergiev, agiert das Orchester auch hier brillant; allerdings wäre zu wünschen, ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Medien/CDs, Seite 24
von Christoph Vratz
Giovanni Pacini? Ein weithin versunkener Name aus der Sphäre der Belcanto-Oper. 1796 in Catania zur Welt gekommen, hinterließ der Komponist bei seinem Tod angeblich über hundert Opern. Schon in Jugendjahren in Mailand debütierend, fand er sein durchweg in Italien verbrachtes Leben bedeutend genug, um eine Autobiografie zu schreiben. Findige Opernjäger können hier...
Kein Wald, «schattig und ernst, doch nicht düster». Das «Gebiet des Grals», so wie es sich auf der Bühne der Opéra de Lyon darstellt, hat eher was von einer Ödnis. Der Boden, ausgedörrt und durchfurcht, lässt nicht mal andeutungsweise jene «Lichtung» erahnen, von der bei Richard Wagner die Rede ist. Wie ein Lavastrom teilt ein Rinnsal, mal klar, mal blutig, die...
Sinnlichkeit auf der Bühne und intellektuell-übersinnliche Diskurse schließen einander nicht aus. Zu Zeiten von «Regietheater» und «Postdramatik» geht es um Grundfragen zum Komplex Werk/ Werktreue. Haben die Begriffe noch Sinn? «Was ist Werk, was Treue?», lautet der Untertitel eines Buchs, dem ein Symposium von 2010 zugrunde liegt, Teil des Zürcher...
