Grande Dame Chansonnette
Unterschiedlicher als bei Soile Isokoski und Natalie Dessay können Liedinterpretationen desselben Repertoires kaum ausfallen. Das liegt bei diesem CD-Vergleich zwar auch am Kontext – die Finnin wird vom klang-opulenten Helsinki Philharmonic Orchestra unter John Storgårds, die Französin vom Pianisten Philippe Cassard begleitet –, ist aber mehr noch dem gegensätzlichen Stimmtypus wie Temperament der beiden Sopranistinnen geschuldet.
Isokoski ergänzt die attraktive Koppelung der beiden bedeutendsten Orchesterliederzyklen der französischen Romantik, Hector Berlioz’ «Les Nuits d’été» und Ernest Chaussons «Poème de l’amour et de la mer», durch drei Lieder Henri Duparcs in der Orchestertranskription des Komponisten («Le Manoir de Rosemonde», «L’Invitation au voyage» und «Chanson triste»). Obwohl sie bereits auf die Sechzig zugeht, verfügt sie über eine glänzende Technik und makellose Intonation, vermag berückende Legatobögen zu spannen, die Spitzentöne leuchtend zu fluten und wird stimmlich gleichermaßen den subtil abgestuften Nuancen bei Berlioz wie der schwarzen Fin-de-Siècle-Melancholie Chaussons gerecht. Bewundernswert schließlich ihre skrupulöse Genauigkeit gegenüber dem ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
Immer wieder formiert sich das Ensemble zum Kreis, und am Ende rundet sich auch die Aufführung, als wär’s der Tod, der alles eint. Wieder wird seine Geliebte dem Feuer überantwortet, wie das im ersten Akt schon einmal geschehen ist – und Orpheus begreift, dass sich eine Eurydike nicht wirklich halten lässt, selbst wenn die Musik dabei zum Medium seiner Beschwörung...
Es klingt als Arbeitsvorhaben zunächst nicht ungewöhnlich: eine dokumentarische Biografie zu Walter Felsenstein. Der große Regisseur ist seit 40 Jahren tot, das ihm gewidmete, umfangreiche Archiv wird von der Akademie der Künste in Berlin betreut. Seine Arbeiten, so scheint es, sind besser dokumentiert als die jedes anderen Regisseurs seiner Generation. Trotzdem...
Regisseur Calixto Bieito empfängt uns im ersten Aufzug seines «Tannhäuser» nicht mit einer Lusthölle, sondern mit einem Naturidyll. Die triebgesteuerte Unterwelt der Venus ist für den Spanier keine pornografische Zwangsveranstaltung, in der Tannhäuser die Luft zum Atmen dünn wird, sondern ein friedliches Reich voll frischen Grüns und zarter Sinnlichkeit....
