Ertrinken, versinken
Zunächst könnte man meinen, mit der CD stimme etwas nicht: Ein g-moll-Akkord wird ein Dutzend Mal angeschlagen, bricht ab, hinterlässt eine lange Pause, beginnt erneut, bricht wieder ab – bis diesem Stop-and-go synthetisch-knisternde Klangräume entwachsen, die von einer zerkratzten Pink-Floyd-LP stammen könnten. Techno-Beats unterfüttern einen schneidenden Pfeifton, der von Streicher-Flageoletts aufgegriffen wird. Eine Sopranstimme schwebt irisierend ein, kündet vom Zerfließen und Sinken, wird vom abwärts glissandierenden Kammerorchester in die Tiefe gerissen.
Umschwünge von äußerster Körperlosigkeit in bleierne Schwere gehören zu den Hauptmerkmalen dieses Musiktheaters von Fausto Romitelli. Fieberhaft hat er «An Index of Metals», eine «Videoopera per soprano, ensemble, elettronica e multiproiezione» geschrieben, ehe er 2004 im Alter von einundvierzig Jahren einem Krebsleiden erlag. Das jetzt auf CD und DVD nachhörbare Stück offenbart das Vermächtnis eines eigenständigen, bislang zu wenig beachteten Komponisten französischer Prägung.
Die Anregung zu diesem fünfzig Minuten kurzen, geheimnisvollen Werk stammt indes aus den USA: Roy Lichtensteins Pop-Art-Gemälde «Drowning Girl» (1963) ...
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