Junge Racker und ihr Ende
Die Buh-Rufe waren berechtigt: Calixto Bieito hatte Strawinskys «Rake» beim Festival im nordwestspanischen La Coruña als harmlose Kinderspielzeug-Version angerichtet: ein riesiges Gummi-Disneyworld, das knatschbunt selbst den Orchestergraben und das Proszenium umfasste. Hier ein bisschen Ritterburg mit Türmchen, da ein paar phallische Pilze, hier ein Kissen, das aussah wie eine weibliche Brust, dort ein paar Buchstaben, die sich irgendwann als die Zeichenfolge LONDON entziffern ließen.
Und weil alles so schön aufgeblasen war, durfte man darin herumhüpfen wie auf einem Trampolin, ein wenig Break Dance veranstalten, rappen oder auch Kopulationsgymnastik absolvieren. Allen voran der Hippie-Chor mit Perücken wie zu den Fußball-WM- Spielen. Und des jungen Tom «Schatten», der Schwarze Chester Patton als Nick Shadow: Der hatte Spezialschuhe an, mit denen es sich so richtig weit springen ließ.
Wirklich ernst wurde es erst, als am Ende Tom in der Psychiatrie landet – da ist das ganze Luftschloss in sich zusammengefallen, die Nüchternheit der Bühne und das manische Verhalten der Anstaltsinsassen hätten schrecklicher nicht ausschauen können. Wenn diese Aufführung in Erinnerung ...
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