Junge Racker und ihr Ende

Das Festival in La Coruña entdeckt Carnicers «Il dissoluto punito» und versucht sich an Strawinskys «The Rake’s Progress»

Opernwelt - Logo

Die Buh-Rufe waren berechtigt: Calixto Bieito hatte Strawin­skys «Rake» beim Festival im nordwestspanischen La Co­ruña als harm­lose Kinderspielzeug-Version angerichtet: ein riesiges Gummi-Disney­world, das knatschbunt selbst den Orchestergraben und das Proszenium umfasste. Hier ein bisschen Ritterburg mit Türmchen, da ein paar phallische Pilze, hier ein Kissen, das aussah wie eine weibliche Brust, dort ein paar Buchstaben, die sich irgendwann als die Zeichenfolge LONDON entziffern ließen.

Und weil alles so schön aufgeblasen war, durfte man darin herumhüpfen wie auf einem Trampolin, ein wenig Break Dance veranstalten, rappen oder auch Kopula­tions­gymnastik absolvieren. Allen voran der Hippie-Chor mit Perücken wie zu den Fußball-WM- Spie­len. Und des jungen Tom «Schat­ten», der Schwar­ze Chester Patton als Nick Shadow: Der hatte Spezialschuhe an, mit denen es sich so richtig weit springen ließ.
Wirklich ernst wurde es erst, als am Ende Tom in der Psychiatrie landet – da ist das ganze Luftschloss in sich zusammengefallen, die Nüchternheit der Bühne und das manische Verhalten der Anstaltsinsassen hätten schrecklicher nicht ausschauen können. Wenn diese Auffüh­rung in Erinnerung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf der Pirsch

Schon während der Ouvertüre läuft das Verbeugungs­ritual ab. Figaro und Susanna, Graf und Gräfin, Marcellina und Basilio nehmen ihre Solovorhänge entgegen, zeigen große Freude über die offenbar gelungene Aufführung. Doch schnell bröckelt die Fassade, Eitelkeiten und Intrigen brechen durch, schließlich prügeln sie sich wie die Kesselflicker. In dieser Truppe stimmt...

Von Lebenselixieren und grauen Wölfen

Zürich hat Opernfestspiele gefeiert. Wie jeden Sommer zum Abschluss der Spielzeit. Eine thematische Bündelung oder gar künstlerisch innovative Planung kennt man dafür seit Jahren nicht mehr. Sängerstars geben sich die Klinke in die Hand. Ein Konzept, das Stückwahl, Regieteam und Solistenengagements aufeinander beziehen würde, war auch diesmal kaum auszumachen....

Magie des Ortes

Es ist ein Juwel barocker Theaterbaukunst, das Königliche Schlosstheater zu Drottningholm aus dem Jahr 1766. Vor den Toren Stockholms gelegen, überstand es – nahezu einhundertfünfzig Jahre dem Vergessen anheimgegeben – völlig unbeschadet die Zeitläufte. Architektur, Bühnenmaschinerie und Ausstattung des Theaters samt Nebenräumlichkeiten und angeschlossenem...