Eine Muse namens Jack
Entstehungs- und Aufführungsgeschichte von Offenbachs «Contes d’Hoffmann» sind verworren und verwirrend. Als der deutsch-französische Komponist 1880 starb, hinterließ er seine einzige Oper unvollendet, so dass es in der Folge eine ganze Reihe von Bearbeitungen, Ergänzungen und Umstellungen gegeben hat. Da eine finale Fassung nicht existiert, setzt jede neue Inszenierung die Auseinandersetzung mit der Frage voraus, in welcher Gestalt das Werk auf die Bühne gebracht werden soll.
Calixto Bieito hat bei seiner Interpretation des Stoffes an der Norske Opera in Oslo eine gewohnt extreme Antwort auf diese Frage gefunden. Er fleddert geradezu den Fundus des vorliegenden komponierten Materials und baut sich daraus – wie Spalanzani seine Olympia – eine eigene Hoffmann-Version. Die Handlung wird radikal auf einen Minimalplot eingedampft, wobei nicht nur Dialoge und Rezitative, sondern gleich ganze Szenen und Personen dem Rotstift zum Opfer fallen.
Das Ergebnis überzeugt: Bieito bricht den traditionellen Mythos vom romantischen Künstler auf, der durch den Mix aus Rausch und unerfülltem Liebesideal zum genialen Autor wird. Sein Hoffmann, stimmlich und gestisch überzeugend dargestellt von Evan ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Andreas Bücker
Die 1910 uraufgeführte heroische Komödie «Don Quichotte» ist zwar nicht Jules Massenets letzte Oper, aber wie Verdis «Falstaff» ein künstlerisches Testament. Elisabeth Stöppler, die in Gelsenkirchen mit einem viel beachteten Britten-Zyklus und zuletzt mit einer verstörend faszinierenden Sicht auf Dvoráks «Rusalka» Aufsehen erregte, hat Massenets Weltabschiedswerk...
Erst die banale Wahrscheinlichkeit und dann – neuer Anlauf – die Utopie, das gehoben-idealistische «Schön wär’s». «Fidelio» hat in Zürich einen dramatisch hereinplatzenden Vorspann. «Er sterbe», faucht Don Pizarro im Quartett des zweiten Akts. Im Handgemenge ein Schuss. Leonore ist tot. Wie angegossen der Sprung ins letzte Drittel der Leonoren-Ouvertüre Nr. 3. Mehr...
Nicht ein Kreuz ist es, das sich mahnend erhebt. Ein ganzer Haufen Kruzifixe quillt aus dem Hintergrund. Eine Halde oder eine weiße Hecke, die Leonora Schutz bietet vor der Unbill der Welt, besonders vor ihrer seltsamen Familie. Doch hat sich Anja Harteros herausgearbeitet zu Verdis drängelnden Rhythmen und erobert sich ihr erstes «Pace» mit betörender messa di...
