Ein Volltreffer!
Ein Walzer trällerndes Publikum. Ein Schluss-Ohrwurm, der noch tagelang Schwindelgefühle macht. Und ein Reynaldo Hahn-Beiprogramm mit Véronique Gens, Felicity Lott und der 94-jährigen Géori Boué, die einst selbst die Schnittlauchblüte bei der Erstaufführung von «Ciboulette» an der Opéra Comique sang. All das spricht nicht gerade für das Vorurteil der Uneingängigkeit und Passéhaftigkeit, mit dem Reynaldo Hahn heute zu kämpfen hat. Das «Ciboulette»-Revival an der Opéra Comique zeigt ein Meisterwerk der Fliegengewichtsklasse. Hinreißend!
Und das am Originalschauplatz.
«Ciboulette», uraufgeführt 1923 am Théâtre des Variétés, spielt zur Hälfte in den damals noch existierenden «Les Halles» – dem von Zola verewigten «Bauch von Paris», heute nur noch als Abrisssünde gegenwärtig. Und gegen Schluss im Gebäude der Opéra Comique selbst. Hier soll Ciboulette, das Mädchen vom Lande, als Sängerin groß herauskommen. Was die Liebe verhindert... na klar! Mit «Ciboulette» legte der Massenet-Schüler und Ravel-Kommilitone Reynaldo Hahn (1874-1947) sein wichtigstes und leichtgewichtigstes Bühnenwerk vor. Dass er ein enger Freund (und Geliebter) von Marcel Proust war, sichert Hahn bis heute eine gewisse ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Kai Luehrs-Kaiser
Wären «Die Feen» (1833) nicht von Wagner – kein Mensch würde sich für diesen Aufguss barock-romantischer Ritter- und Zauberspektakel interessieren. Es gibt wichtigere und bessere Stücke der Zeit und des Genres, wie Fouqués «Undine», Spontinis «Agnes» und Offenbachs «Rheinnixen». Auch Meditationen darüber, dass der Komponist erst 20 war, sind nicht abendfüllend....
Mit Franchettis «Germania» und Gnecchis «Cassandra» hat Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin auf den hierzulande kaum bekannten «Wagnerismo» aufmerksam gemacht, der sich in Italien der Generation der um 1870 geborenen Künstler bemächtigte. Noch bis 8. April zeigt der Palazzo Fortuny in Venedig eine Schau, die das Phänomen in der italienischen Bildenden Kunst...
In Palermo wird derzeit ein vokal verheißungsvoller, szenisch streitbarer «Ring» geschmiedet. Die Aufführungen des ersten und zweiten Teils der Tetralogie während der Wintermonate am Teatro Massimo überzeugten zunächst in gesanglicher Hinsicht. Franz Hawlata, das mag nach seinem Sachs in Bayreuth überraschen, sang den Wotan mit solider Legato-Kultur und konziser...
